Blickwinkel

Viraler McDonald's-Prank

Regionale Vermarktung

Goldenes Licht fällt auf selig-lächelnde Gesichter und noch goldenere Pommes – ein Werbeplakat wie aus dem Bilderbuch, möchte man denken. Und McDonald's gratuliert zu dieser gelungenen, ethnisch-korrekten Kampagne – sind die beiden Protagonisten doch offensichtlich asiatischer Herkunft. Doch das Musterbeispiel des „Diversity Marketing“ hat einen Haken. Es wurde gar nicht von McDonald's beauftragt, sondern von zwei Studenten in eine McDonald’s Filiale in Houston geschmuggelt.

Selbst ist der Asiate

Weil sie in der Werbung der Fast-Food-Kette Menschen asiatischer Herkunft vermissten, bastelten die beiden befreundeten Texaner mit philippinischen Wurzeln, Jevh Maravilla und Christian Toledo, kurzerhand ein Fake-Poster mit sich selbst als Protagonisten. Dazu ließen sie sich mit Pommes-Box und Burger im typischen Stil der McDonald's-Werbung fotografieren und versahen die Postervorlage mit dem Firmenlogo sowie konzerntypischen Designelementen. Mit Hilfe einer gefälschten Mitarbeiterkarte und einem alten McDonald’s-Shirt aus dem Secondhand-Shop gelang es den beiden gemeinsam mit Freunden das Poster in ihre McDonald’s-Filiale zu schmuggeln und unbemerkt an eine freie Wand zu hängen.

Viraler Prank

Offenbar fiel das neue Motiv lange Zeit nicht auf. Und selbst als die beiden Amateur-Werbestars stolz auf Twitter posteten, dass ihr Plakat nun schon 51 Tage dort hängt, ließ der Konzern das falsche aber ethnisch-korrekte Poster an der Wand. Mussten sie auch, denn die Aktion ging viral und weltweit berichteten Medien über den erfolgreichen Prank. Fans und Unterstützer der Aktion formierten sich unter dem Hashtag #KeepThePosterUp und warteten gespannt, wie McDonald's reagiert. Erst auf Anfrage des amerikanischen News-Magazins Today gab es dann ein Statement der betroffenen Franchise-Nehmerin, welche den kreativen Studenten applaudiert und verkündet, mit Stolz, Vielfalt in jeder Hinsicht hervorzuheben.

Dünne offizielle Reaktion

Das war alles? Kein Wort der Entschuldigung oder zumindest Erklärung für diese offenkundigen Mängel an Diversität in der Werbung des milliardenschweren Konzerns? Da muss man sich schon wundern. Schließlich wird bereits seit den 1950er Jahren in der US-Marketingliteratur von „Diversity“ und der Segmentierung der Zielgruppen gesprochen. Und in jeder Bilderdatenbank oder Modelagentur springt einem ethnische Korrektheit geradezu aufdringlich entgegen.

Verdiente Gleichberechtigung

Auch Student Maravilla kann über diesen Fauxpas nur spekulieren. Im Interview mit BBC sagt er: „Ich weiß nicht, warum das Marketing von McDonald's keine Asiaten mit einbezogen hat, aber oft werden in den Medien asiatische Männer nicht als männlich dargestellt und asiatische Frauen nur als niedlich und hübsch. […] Wir alle verdienen Gleichberechtigung, und alle Rassen verdienen Anerkennung. Menschen jeder Herkunft sollten in der Öffentlichkeit repräsentiert sein. Ich denke, ich habe meinen Teil dazu beigetragen.“

Autor: KS

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