Blickwinkel

Aldi provoziert Coronavirus-Wahnsinn

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Inmitten von Coronavirus-Angst und Hamsterkäufen bietet Aldi ein Desinfektionsmittel-Set an – und das Social Web johlt. Bereits im Vorwege verabredeten sich Schaulustige auf Twitter zu diesem Event mit Superbowl-Qualitäten. Die anschließende bundesweite, usergenerierte Berichterstattung sprengt so manchen Hashtag-Rekord.

Vorfreudiges Vorglühen

„Morgen gibt’s Desinfektionsmittel bei Aldi. Treffen wir uns dort und schauen uns den Wahnsinn an? Ich bringe auch einen Kasten #Corona mit“, verabredet sich eine Twitter-Userin am Vorabend des Sonderangebotes dreier Desinfektions-Produkte in den Filialen von Aldi Süd und Nord. Neben einem Spray und einem Handdesinfektionsgel wird auch eine Packung Hygienetücher angeboten, jeweils zum Schnäppchenpreis von 1,75 Euro. Auch andere Twitter-User sind zu dem Zeitpunkt bereits voller Vorfreude: „Bürgerkriegsähnliche Szenen dürften für den morgigen Tag bei Aldi vorprogrammiert sein… Protipp: Im Gartenstuhl vor einen Laden setzen, Popcorn futtern und die Show genießen…“.

Verantwortungslose Vorsicht

„Deutschland 08. März kurz vor Mitternacht. Die ersten Leute ziehen mit Campingstühlen und Schlafsäcken Richtung #ALDI los“, vermeldet ein Leserreporter. Morgens kurz vor Ladenöffnung bilden sich vielerorts bereits lange Menschenschlangen. „Haben Schiss vor dem Coronavirus, stehen aber ganz eng beieinander, in Menschenmengen, um Desinfektionsmittel kaufen zu können“, bringt ein Tweet die Absurdität dieser Situation auf den Punkt. Ein Heilpraktiker, wer sonst, twittert sachdienliche Tipps: „Immer Husten vortäuschen, als Tipp, dann teilt sich die Menge“ und stellt folgende Frage in den virtuellen, virenfreien Raum: „Wie viele #CoronaVirusDE bedingte Tote wird's heute bei #Aldi geben? Der finale Kampf um Desinfektion!“. „Mit Corona angesteckt beim Desinfektionsmittelkauf“ wittert ein Twitter-User auch schon die Bild-Schlagzeile des Folgetages während ein anderer die nüchterne Prognose aufstellt: „der freie markt regelt das jetzt mit dem virus.“

Vorprogrammierte Verluste

Dann öffnet der Discounter seine Türen und die Menschenmengen stürmen die Filialen. „Der Wahnsinn hat einen Namen: #AldiDesinfektion“ twittert eine Kundin und berichtet: „Menschen strömen punkt 8 in den Laden, direkt an die Kasse-"jeder nur3!"-binnen 2 Minuten ist das Spray aus! Menschen weinen, Nervenzusammenbrüche, … Ich steh mit meinen 2 Bechern Sahne da und staune.“ Obwohl der Discounter die Desinfektionsmittel nur an der Kasse und in limitierten, „haushaltsüblichen“ Mengen ausgibt, ist die begehrte Ware vielerorts innerhalb von Minuten vergriffen. Ein anderer Zeitzeuge berichtet: „Ländlicher #Aldi, 8:12 morgens. Das Desinfektionszeug ist alle. Diskussionen an den Kassen. Ein Polizist in voller Montur passt auf. Szenen wie aus einem mittelmäßigen Katastrophenfilm.“

Vorsätzliche Verspottung

Nun springt auch die Presse auf die Geschichte auf. SAT.1 NRW fragt einen Twitter-User, ob sie ein Foto der leeren Regale in ihrer Sendung zeigen dürfen - wobei die Desinfektionsmittel ja eh nur persönlich an der Kasse ausgegeben wurden, aber egal. Leere Regale und ein Quentchen Panik kommen immer gut an. Zumal das Social Web aufgrund anderer Coronavirus-bedingter #Hamsterkäufe ja bereits vorglühen durfte. Mittlerweile ist #Klopapier ein total heiß gelaufener Hashtag. Auch in anderen Ländern und auf anderen Plattformen sorgt der Hashtag #Aldi für Stimmung. Dass auch die Euphorie ansteckend ist, beweist die ZDF heute show und jagt einen Tweet nach dem anderen heraus: „#Coronavirus: Der #Dax ist heute um mehr als sieben Prozent eingebrochen. Wer auf Nummer sicher gehen will, setzt jetzt auf Gold, Platin oder Nudeln“ oder „#Spahn empfiehlt, Events mit mehr als 1000 Teilnehmern abzusagen. Es ist sowieso unmöglich, genügend Toilettenpapier für sowas aufzutreiben. #Coronavirusdeutschland“. Gegen diesen Virenwahnsinn war der Rinderwahnsinn ja Peanuts.

Autor: KS

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