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Bundeskartellamt: Sanktionen für Facebook?

Trends und Innovationen

Das Online-Netzwerk Facebook sammelt seit geraumer Zeit Nutzerdaten und verstößt damit, laut Bundeskartellamt, gegen den Datenschutz.

Von Big Brother zu Facebook

Wer erinnert sich noch an die Show Big Brother? Bewohner eines Lofts wurden rund um die Uhr aus Wohncontainern gefilmt und anschließend als Reality-Sendung im TV ausgestrahlt. Die Premiere am 28.2.2000 sorgte damals für Kontroversen und öffentliche Debatten über das Recht auf Privatsphäre und die Geschmacklosigkeit des öffentlichen Voyeurismus. Die Akteure des Formats waren Personen, die ihre Privatsphäre an den Sender für einen gewissen Zeitraum verkauften und fortan öffentliches Gut wurden. Reality-Show-Formate und der schleichende Personalisierungsprozess von Netzwerken im Internet trugen über die Jahre dazu bei, dass sich eine Art öffentlicher Voyeurismus im Alltag normalisierte.


17 Jahre später sind wir selbst öffentlich-private Akteure und das ‚Sendeformat‘ nennt sich unter anderem Facebook. Während Influencer ihre Onlinepräsenz zu verkaufen wissen, nutzen Normalverbraucher das kostenlose Netzwerk als Alltagsgegenstand, in dem das Privatleben online mit Freunden und Bekannten geteilt wird – für Andere mehr oder weniger einsehbar.

Das dritte Auge und der gläserne Konsument

Dass einem dabei dritte Unbekannte zuschauen, fällt nicht allen Nutzern auf, da Facebook Privatsphäre-Einstellungen bietet, um sensible Daten vor der Öffentlichkeit schützen zu können. Laut Bundeskartellamt handelt es sich allerdings um einen vermeintlichen Schutz. Die Mitgliedschaft bei Facebook ist zwar kostenlos, aber der Nutzer zahlt trotzdem einen hohen Preis, wenn private Daten an Dritte übermittelt werden.

Dem Unternehmen Facebook gehört nicht nur das gleichnamige Netzwerk, sondern auch die derzeit populärsten Social Media Apps auf dem globalen Markt: Instagram und Whatsapp. Mit allen drei Plattformen gehört Facebook jedes Profil eines jeden Users und gleichzeitig sämtliche Inhaberrechte an Bildern und Daten, die in allen drei Apps eingestellt und ausgetauscht werden. Die Liste reicht u.a. von privaten Vorlieben bis hin zu Freizeit- und Konsumverhalten der Nutzer, die durch personalisierte Funktionen wie ‚Ich bin mit XY in Location XYZ unterwegs und fühle mich dabei glücklich’, dem Unternehmen sehr tiefe Einblicke in das Privatleben der Nutzer erlauben. Von solch spezifischen und vor allem freiwillig ausgehändigten Datenmassen hätte ein Spitzeldienst während des kalten Krieges nur träumen können – anders formuliert: wird der gläserne Konsument Wirklichkeit?

Programmatic

Das Bundeskartellamt schreitet ein

Während wir hier ein Schreckensszenario à la George Orwell ausmalen, beschäftigt sich das Deutsche Bundeskartellamt genau mit solchen Fällen. Facebook soll mit seinen weiteren Diensten inzwischen den Deutschen Markt beherrschen und eine Monopolstellung in Sachen Social Media genießen, so die erste Einschätzung des Bundeskartellamts, das den Fall bereits seit 2016 prüft. Schließlich schreitet die Behörde am 19.12.2017 mit einem Anhörungsschreiben ein, auf Grundlage des „Verdachts auf Missbrauch einer marktbeherrschenden Stellung“.

Daten-Tracking ohne wirksame Einwilligung des Nutzers

Es geht hier nicht um die Daten, die innerhalb des Netzwerks gesammelt werden, sondern vor allem um Daten, die von Facebook an Dritte weitergereicht werden: „Hierzu gehören auch Webseiten und Apps anderer Betreiber, auf die Facebook über Schnittstellen zugreifen kann“, erklärt das Amt. „Wir sehen vor allem die Datensammlung außerhalb des sozialen Netzwerks von Facebook und ihre Zusammenführung mit dem Facebook-Konto als problematisch an“.

Die Nutzer sind sich oft nicht bewusst, dass ihr Nutzungsverhalten und ihre Daten auf anderen Webseiten abgerufen werden können, sobald diese Facebook-Schnittstellen aufweisen, dann reicht es lediglich auf Facebook eingeloggt zu sein und der Datenaustausch mit Dritten findet unbemerkt statt. Weiterführend bemängelt Andreas Mundt, Präsident des Bundeskartellamts, das Vorgehen des Netzwerks. Es liege den Nutzern keine wirksame Einwilligung vor und somit fehle die rechtliche Grundlage, Daten-Tracking durch- und diese Daten mit dem Facebook-Konto zusammenführen zu dürfen.

Facebook dementiert

Facebook ist währenddessen nicht der Meinung ein Monopol in Deutschland zu haben: „Die Realität ist, dass Facebook keinerlei Anzeichen einer dominanten Stellung in Deutschland oder anderswo zeigt“, lautet eine Stimme aus dem Unternehmen. Das Internet biete viele Alternativen zu Facebook, wie etwa Snapchat, YouTube, Flickr, Twitter, Google Photos oder Pinterest.

Ein schwacher Einwand von Unternehmensseite, da keiner dieser Dienste effektiv über solch eine Menge an personalisierter Daten verfügt wie Facebook selbst. Über den Ausgang der Verhandlungen werden wir hier im Frühjahr/Sommer 2018 berichten, wenn das Bundeskartellamt im Verfahren gegen Facebook zu einem Schluss gekommen ist. Wir dürfen gespannt sein.

Autor: DR

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