Blickwinkel

Cambridge Analytica Leak-Sequel

Trends und Innovationen

Das Jahr fängt gut an. Auf dem Whistleblower-Twitteraccount HindsightFiles jüngst veröffentlichte Dokumente legen nahe, dass der Cambridge Analytica Skandal im Jahr 2018 nur die Spitze eines Eisbergs globaler Wahlbeeinflussung darstellte. So soll die ehemalige britische Analysefirma Cambridge Analytica nicht nur die US-Wahl von 2016, sondern weltweit im großen Stil Wahlen beeinflusst haben. Und es kommt noch gruseliger: Das System soll unter anderem Namen weiterhin aktiv sein.

Neujahrsvorsätze einer Whistleblowerin

Dies sei auch der Grund, warum sich Whistleblowerin Brittany Kaiser, ehemalige Cambridge Analytica Managerin, nach der Wahl von Boris Johnson zum Premierminister zur Veröffentlichung der Dokumente entschlossen hat. „Es ist absolut offensichtlich, dass unsere Wahlsysteme sperrangelweit offen für Manipulationen sind. Ich habe große Angst vor dem, was bei der US-Wahl später in diesem Jahr passieren wird und ich glaube, einer der wenigen Wege, uns zu schützen, ist so viele Informationen wie möglich öffentlich zu machen“ äußert Kaiser gegenüber der britischen Zeitung „The Guardian“.

Versuchte Vertuschung tausender Dokumente

Mehr als 100.000 Dateien wie Gesprächsprotokolle, E-Mails, Projektdokumentationen und Studien von Kaisers Festplatten und E-Mail-Konten werden unter dem Hashtag #Hindsightis2020 angekündigt. Der Begriff Hindsight bedeutet so viel wie „nachträgliche Einsicht“. Laut Hindsightfiles habe die Muttergesellschaft von Cambridge Analytica, die SCL Group, im Mai 2018 nur Insolvenz angemeldet, um die Beschlagnahmung ebenjener Dokumente zu verhindern. Teile des Materials habe die geläuterte Ex-Managerin bereits im April 2018 dem britischen Parlament übergeben, aber der Großteil der Dokumente sei bislang unveröffentlicht.

Weltweite Wahlmanipulationen und Schwarzgeld-Verschleierung

Kein Wunder. Schließlich wollen sie offenbaren, dass die Analysefirma in 68 Ländern in gezielte Wahlmanipulationen verstrickt gewesen sein soll. Bisher wurden Dossiers zu Wahlmanipulationen in Brasilien, Kenia, Malaysia und dem Iran veröffentlicht. Ferner gibt es bereits einen Ordner über John Bolton, den ehemaligen nationalen Sicherheitsberater von Präsident Trump. So sollen die Dokumente laut Kaiser neben den weltweiten Manipulationen auch „die gesamte Schwarzgeld-Maschinerie hinter der amerikanischen Politik“ offenbaren. Mehr noch: Die dort dokumentierten Methoden, beispielsweise zur Verschleierung von Großspenden an den Kandidaten Trump, seien laut der Whistleblowerin auch bei anderen Wahlen, etwa in Großbritannien, zum Einsatz gekommen.

„Globale, außer Kontrolle geratene Industrie“

Offenbar existierten nach wie vor ähnlich arbeitende Firmen mit personellen Überschneidungen zu Cambridge Analytica, welche dieselben oder sogar noch verfeinerte Methoden verwendeten. Eine vom Guardian interviewte Spezialistin für Propaganda sagte, dass die gleichen Leute offenbar weiter an den gleichen Techniken arbeiteten – mit großen Auswirkungen auf die US-Präsidentschaftswahl in diesem Jahr. So gäbe es Beweise für aktuell „sehr verstörende Experimente an amerikanischen Wählern mit auf Angst aufbauenden Nachrichten“, wird die Expertin dort zitiert. Das ist in der Tat eine Äußerung, die jeder Demokratie große Angst machen sollte.

Autor: KS

Verwandte Artikel
Diskutieren Sie über diesen Artikel
Required for comment verification
0 Kommentare