Blickwinkel

Daimler: Fachkräftemangel macht erfinderisch

Trends und Innovationen

Innovative Köpfe ködert man am besten auf innovative Weise – dachte sich Daimler und nutzt Videos sowie Podcasts, um neue Talente an Land zu ziehen.

Schräger Humor für hart umkämpfte Zielgruppe

Mit humorvollen Filmclips um zwei Entwickler, die ebenso absurde wie nutzlose Tech-Erfindungen entwickeln, will der Stuttgarter Autobauer die Aufmerksamkeit einer besonders hart umkämpften Spezies gewinnen: die von IT- und AI-Experten. Und zwar auf der ganzen Welt. So entwickelt das Developer-Duo in der englischsprachigen Videoserie unter dem Titel „Next Big Thing“ so sinnbefreite Dinge wie eine Rap-Texterkennungs-App, die langweilige Textpassagen rappt, um das Lernen interessanter zu gestalten.

Die Botschaft der Spots: Wer wirklich innovative, vielleicht sogar wegweisende Produkte programmieren will, der sollte sich bei Daimler bewerben. Die von der Berliner Agentur Noga produzierten Clips beweisen zu Teilen wirklich einen schön-schrägen Humor, der zumindest das Unternehmensimage aufpeppt. Und sollte mit den via Social-Media kommunizierten Videos tatsächlich Interesse an einem Job beim Mobilitätsanbieter Daimler geweckt werden, ist damit schon viel erreicht.

Podcasts für die restlichen Job-Sparten

Neben Videos setzt der derart „verjüngte“ Konzern auch noch auf das hippe Medium Podcast, um Daimler als Arbeitgeber zu promoten. So werden in der Podcast-Serie „HeadLights“ verschiedene Mitarbeiter auf „der ganzen Welt“ interviewt, um mit authentischen Stories Einblicke in die Unternehmenskultur und den Arbeitsalltag zu vermitteln. Sogar Daimler CEO Dieter Zetsche ist mit von der Partie und erzählt in einer Folge „how he handles challenges in hard times“. Auch ein syrischer Flüchtling darf über seine Ausbildung bei Daimler erzählen und Oldtimer-Restaurateure ihre Spezial-Tricks verraten. Wöchentlich wird eine neue Episode veröffentlicht, abwechselnd auf Deutsch und Englisch.

Podcast-Renaissance

Die Idee, mittels Podcasts um neue Talente zu buhlen, ist natürlich nicht neu. In dieser offensiven Form, wie Daimler dies tut, in Deutschland wohl aber bemerkenswert. So stellte Microsoft zwar schon 2017 in der sechsteiligen Reihe #worklifeflow seine neue Deutschlandzentrale in München-Schwabing und das dortige Konzept des vernetzten Arbeitens vor, aber ohne konkreten Bewerbungs-Appell.

Eher nutzten deutsche Unternehmen die Renaissance des Mediums Podcast, um die Unternehmensmarke generell zu stärken sowie um Kunden zu werben. Während Podcasts in den USA schon länger fester Bestandteil der Unternehmenskommunikation sind, erwachte das Interesse daran hierzulande erst vor ein, zwei Jahren.

Mit Podcasts das Firmenimage aufpolieren

So betreibt beispielsweise die Telekom in einer Podcastserie zum Thema Digitalisierung und Cyber Security professionelles Content-Marketing mit Experten und Mitarbeitern. In einer anderen Folge philosophiert der ehemalige Boxer Wladimir Klitschko über die Parallelen von Unternehmertum und Leistungssport. Die AOK nimmt körperlichen Unzulänglichkeiten den Makel in ihrem Podcast übers Fehlermachen und Darauslernen und sogar im Macher-Projekt des Baumarktes Hornbach über ambitionierte Handwerksprojekte gibt es eine Podcastserie über zwei Studenten, die in Finnland ein Holzhaus gebaut haben. Wobei hier das Videoformat doch vielleicht etwas zweckdienlicher gewesen wäre, aber was soll`s: Trend ist Trend!

Autor: KS

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