Blickwinkel

Damit füttert Facebook seinen Newsfeed

Trends und Innovationen

Wenn die Rede von Facebooks allmächtigem Algorithmus ist, denken viele an eine Art Blackbox. Man füttert die geheimnisvolle Rechenleistungsmaschine meist sogar unbewusst mit persönlichen Daten, die sich aus Likes, Kommentaren, Gruppenzugehörigkeiten, Freunden, Vorlieben und anderen Informationen ergeben. Ohne zu wissen, was genau im Inneren von Facebooks Wunderkiste geschieht, erhält man dann sofort die zum Daten-Potpourri passende Werbung oder auch entsprechend personalisierte Nachrichten- Feeds.

Facebook hat sich nun dazu durchgerungen, die News-Feed-Blackbox mit einem gläsernen Deckel zu versehen und das Nachrichten-Nirwana etwas mehr zu erden. Ab sofort nämlich soll das neue Tool „Warum wird mir dieser Beitrag angezeigt?“ für Klarheit der Zuckerberg'schen Manier sorgen.

Ähnlich wie es bereits bei den Werbeanzeigen mit „Warum sehe ich diese Werbung?“ der Fall war, sollen nun auch der News-Feed und seine Quellen transparenter werden. Und nicht zuletzt sollen die User wieder das Gefühl haben, jederzeit – zumindest ein bisschen – die Kontrolle über ihren Newsfeed zurückzubekommen.

Facebook News Feed Warum wird mir dieser Beitrag angezeigt.png

Drop-down für den Durchblick

Um zu erfahren, warum man überhaupt das im eigenen Newsfeed sieht, was man eben sieht, gibt Facebook einige Antworten darauf, welche Komponenten es benutzt hat, um das Ranking der personalisierten Nachrichten zu erstellen. Dafür reicht es, das neue Transparenz-Menü rechts oberhalb des Posts aufzurufen und im Drop-down den Punkt „Warum wird mir dieser Beitrag angezeigt?“ anzutippen. Schon erscheinen mehrere Erklärungen dazu und gehen bisweilen auch tiefer in Details.

Die neue Aufklärungsagenda von Facebook listet beispielsweise auf, wie oft man mit welchen Posts von Freunden oder Gruppen mit Kommentaren, Likes oder anderen Reaktion interagiert hat und ob man dabei besonders Links, Fotos oder Videos bevorzugte.

Kontrolle statt nur Informationen

Als Nutzer obliegt es einem nun selbst, die jeweiligen Einstellungen zu ändern, um letztlich auch einen anderen Newsfeed zu erhalten. Über so genannte Shortcuts („Als Erstes anzeigen“, „Nicht mehr abonnieren“ wie auch Verlinkungen zu den News Feed- und Privatsphäre-Einstellungen) können bestimmte Präferenzen festgelegt und geändert werden, um so den eigenen Newsfeed noch persönlicher und die eigenen Vorlieben treffender zu gestalten.

Das Priorisieren und Abbestellen von Abos bestimmter Personen wie auch das Wiederhinzufügen alter Abos und nicht zuletzt auch das Überdenken und Neujustieren der eigenen Privatsphäre-Einstellungen sollen dazu beitragen, dass die Facebook-Nachrichten wirklich die News sind, die man lesen will.

Warum Facebook gerade jetzt seine Transparenz-Offensive startet, ist eine berechtigte Frage, auf die es mehrere Antworten gibt. Eine könnte lauten, dass das soziale Netzwerk es beim schrecklichen Massaker von Christchurch zwar schaffte, innerhalb von 24 Stunden nachdem der Attentäter seine grausamen Taten per Livestream auf die Plattform hochgeladen hatte, 1,5 Millionen Videos, die anerkennend oder lobend hinsichtlich der kaltblütigen Morde waren, zu löschen bzw. 1,2 Millionen noch im Moment des Uploads zu blockieren. Andererseits konnte Facebook nicht verhindern, dass immerhin noch 300.000 entsprechende Videos hochgeladen werden konnten, was einem Fünftel aller Videos entspricht.

Transparenz ist auch bei Werbeeinblendungen Trumpf

Auch wenn es bereits seit 2014 möglich ist, sich von Facebook zeigen zu lassen, warum man bestimmte Werbeanzeigen sieht, scheint in Sachen Transparenz noch Luft nach oben zu sein. Mit der geplanten Erweiterung der „Warum sehe ich diese Werbung“-Erklärungen will Facebook das Vakuum rund um die persönlichen Daten seiner User verringern.

Facebook News Feed Warum wird mir dieser Beitrag angezeigt_1.png

Konnte man bisher nur erfahren, dass die Werbung aufgrund demografischer Daten, bekundeter Interessen und besuchter Webseiten ausgespielt wurde, soll es künftig auch möglich sein herauszufinden, wann Werbetreibende entsprechende Kundenlisten hochgeladen haben, die Facebook dann wiederum mit den Profildaten der jeweiligen Nutzer verknüpft hat. Auch soll sichtbar sein, welchem Dritten die Advertiser erlaubt haben, Anzeigen an die entsprechende Facebook-Kundenliste zu schicken.

Gegen die Allmacht des Algorithmus

Gegenwind strömt Facebook und seinen Bemühungen um mehr Kommunikation und Transparenz hinsichtlich der Funktionen seines Algorithmus nun aus einer anderen, wenngleich Mark Zuckerberg bekannten Richtung entgegen: Áine Kerr, ehemaliger Global Head of Journalism Partnerships bei Facebook, hat sich als Mitgründerin der neuen News-App Kinzen der Aufgabe verschrieben, die Kontrolle über die Newsfeeds wieder in menschliche Hände zu legen und sie den maschinellen Klauen zu entreißen.

Kinzen basiert auf der Idee, dass Nutzer sich aus von Menschen vorselektierten Nachrichtenquellen ihren persönlichen Newsfeed basteln können – ganz ohne Algorithmen. Am Ende sollen es Menschen sein, die ihre Nachrichten schalten und verwalten und die anstelle eines News-Overloads eine ausgewogene Mischung an personalisierten Nachrichten erhalten und damit einen Ausweg aus ihrer (Facebook-) Filterblase finden könnten.

Autor: MB

(Quelle aller Abbildungen: Facebook)

Why Am I Seeing This Post?

Geplaatst door Facebook op Zondag 31 maart 2019

Verwandte Artikel
Diskutieren Sie über diesen Artikel
Required for comment verification
0 Kommentare