Blickwinkel

Don't Be Evil - keine Google-KI für Kriegsführung

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Tja, es ist ja immer so eine Sache mit der Moral – sobald Geld mit ins Spiel kommt, wird’s heikel. Ansonsten wäre es ja ein leichtes, ein Gutmensch zu sein. Oder eine Gutfirma, so wie Google, die ja nur das Beste für alle will. Und das muss ja irgendwie auch finanziert werden. Dann wird daraus allerdings schnell das Beste für Google.

Lukrativer Pakt mit dem Militär

Etwa 9 Millionen Dollar pro Jahr dürfte der Maven-Deal mit dem US-Militär in Googles Portokasse gespült haben, laut Gizmodo – die nimmt man doch gerne mit. Zumal das gemeinsame Projekt offiziell nicht zu Kriegszwecken dienen soll, zumindest nicht direkt. Soweit man das von einem Algorithmus, der Drohnen helfen soll, bewegte von unbewegten Objekten zu unterscheiden, guten Gewissens behaupten will. Trotzdem besser nicht an die große Glocke hängen. So hatte Google nicht vor, die Zusammenarbeit mit dem Pentagon öffentlich zu machen.

Massive Mitarbeiterproteste

Dass dies nun doch passierte, lag daran, dass die Presse das Unternehmen zu einer Stellungnahme zwang. Ins Rollen gebracht hatten dies massive Proteste von rund 4.000 Google-Mitarbeitern, die sich in einem Offenen Brief gegen die Zusammenarbeit ausgesprochen hatten. Das Argument, dass die Technologie nicht direkt für Kriegshandlungen und zur gezielten Tötung genutzt werde, empfanden sie als scheinheilig: „Einmal geliefert, kann die Technologie für alles Mögliche eingesetzt werden“, argumentieren die Protestler in dem Schreiben.

Bereits seit Anfang dieses Jahres regte sich der interne Unmut über diese Kooperation, in deren Rahmen es sogar zu Kündigungen kam. All dies ließ die Konzernführung dennoch kalt und weiter an ihrem Deal mit dem Pentagon festhalten. Auch die tausenden Unterschriften juckten die Führungsetage nicht sonderlich – erst die Drohung der Presse, dieses Thema groß aufzugreifen, führte zum Sinneswandel. Nur weil das Image von Google nachhaltig Schaden zu nehmen drohte, wurde in allerletzter Sekunde die Reißleine gezogen. Nun läuft die Zusammenarbeit Ende dieses Jahres aus. Eine Vertragsverlängerung soll es nicht mehr geben.

Den guten Ruf nicht zerstören

Seinen Ruf als moralisch und politisch korrektes Unternehmen wollte Google nicht aufs Spiel setzten. Dafür hatte man schließlich hart gearbeitet. Zum Beispiel mit der Einberufung eines Ethikrates für die Künstliche Intelligenz (KI) der Alphabet-Tochter DeepMind – von dem allerdings nie konkrete Details an die Öffentlichkeit gelangten. Außerdem wurde vollmundig angekündigt, gemeinsam mit vier weiteren IT-Größen die KI-Forschung zu bündeln und Leitplanken für Mensch und Maschine entwickeln zu wollen.

Vielleicht sollte der Konzern dann erst einmal seine Nutzer aufklären, dass diese indirekt das US-Außenministerium bei seinen Drohneneinsätzen in Kriegsgebieten unterstützen. Nämlich jedes Mal, wenn ein User von Google-Services zum Beweis seiner Menschlichkeit bestimmte Fotos einer Matrix anklicken sollen, zum Beispiel alle Bilder mit Autos oder Bäumen. Denn damit trainieren sie die Fähigkeit Künstlicher Intelligenz, Fotos immer präziser ohne menschliches Auge zu analysieren. Stattdessen wird stolz verkündet, 500 Menschenjahre in die Vorbereitung auf die DSGVO investiert zu haben.

Tu das Richtige

Vielleicht war das erst kürzlich vollends getilgte, ursprünglich auf einem Scherz basierende, Unternehmensmotto doch ein schlechtes Omen: „Don't Be Evil“. Im neuen Verhaltenskodex lautet der Google-Slogan nun "Do the right thing“. Tu das Richtige. Oder das, was für Google richtig ist.

Autor: KS

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