Blickwinkel

DOSB urteilt: E-Sports wird keine offizielle Sportart

Trends und Innovationen

Eigentlich hatte das politische Jahr für den E-Sport gut begonnen, rang sich doch die Große Koalition in Berlin dazu durch, dessen wachsender Bedeutung Rechnung zu tragen, vor allem durch die Unterstützung bei der Anerkennung einer eigenen „Sportart mit Vereins- und Verbandsrecht“ wie auch bei der Schaffung einer olympischen Perspektive. Doch scheint die Krise der Koalitionäre auch deren Durchsetzungskraft gegenüber dem Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) geschwächt. Der nämlich traf jetzt eine Grundsatzentscheidung, die viele ambitionierte und professionelle Gamer aus deren Zocker-Sesseln haut. Zunächst einmal stellt der DOSB fest, dass in Bezug auf E-Sport „die Bezeichnung ‚Sport‘ nicht zielführend und in weiten Teilen aus unserer Sicht irreführend ist [..]“. Will heißen: E-Sport wird nicht als Sport anerkannt, sondern fast schon degradiert zu „eGaming“ und „elektronischen Sportarten“.

Auch wenn das Gremium anerkennt, dass gerade die virtuellen Sportarten doch auch Chancen für die „Entwicklung für den Sport und das Organisationssystem unter dem Dach des DOSB“ eröffnen und Potential „für eine Weiterentwicklung“ haben, gäbe es dennoch aber auch Risiken. Die lägen vor allem darin, „dass ohne Einbindung in vorhandene Angebote das bislang gültige ‚analoge‘ Bild des Sports seinen zentralen Bedeutungskern verliert, nämlich den der eigenmotorischen, durchweg sportartbestimmenden Bewegung.“ Zudem seinen viele E-Sports nicht in den bestehenden (analogen) Sportorganisationen verankert.

Verbände und Vereine sollen E-Sport entwickeln, beraten und integrieren

Es obliege daher den Verbänden und Vereinen, eigenverantwortlich zu entscheiden, inwieweit Aktivitäten zur „Entwicklung von Sportarten im virtuellen Raum und von passgenauen Instrumenten zur Vereinsberatung und -entwicklung“ gestaltet würden. Sprich: Die jeweiligen Sportverbände wie der DFB, der Deutsche Turner Bund oder der Deutsche Tennis Bund als mitgliederstärkste Interessensvereinigungen in Deutschland, müssen wohl selbst dafür Sorge tragen, dass sie die jeweiligen virtuellen Ableger in ihre Verbände integrieren. Im Umkehrschluss stellt sich dem DOSB laut Positionspapier die Frage nach der Aufnahme von E-Sport-Verbänden unter dem Dach des DOSB derzeit nicht.

Das „eGaming“ schließlich schneidet in Sachen Anerkennung durch den DOSB noch schlechter ab. Die deutlichsten Kritikpunkte: eGaming definiert sich in erster Linie nicht durch eigenmotorische, sportartbestimmende Bewegungen. Außerdem stufte bereits die Weltgesundheitsorganisation (WHO) eGaming als potenziell suchtgefährdend ein. Schließlich stört den DOSB noch, dass eGaming vor allem marktorientiert sei und es keine sichtbare Verbindung zur Gemeinwohlorientierung des Sportsystems gäbe.

E-Sport-Bund Deutschland protestiert

Der eSport-Bund Deutschland (ESBD) kann die Entscheidung des DOSB natürlich nicht nachvollziehen und ist entsprechend verärgert – darüber, dass der DOSB mit seiner Unterscheidung zwischen „eGaming“ und „elektronischen Sportarten“ komplett an der gesellschaftlichen Realität vorbei geht, dass er eigene E-Sport-Angebote nur in Verbindung mit außensportlicher Arbeit entwickeln will und dass das Gremium in vielen wichtigen E-Sport-Fragen den Fachsportverbänden den Ball zuspielt. Insgesamt zeige die DOSB-Positionierung, dass es weiterhin kaum Verständnis über die E-Sport-Bewegung gebe.

Umso klarer die Worte, die ESBD-Präsident Hans Jagnow zur Grundsatzentscheidung des DOSB zum Thema E-Sports abschließend findet: „Die DOSB-Führung hat [...] eine Chance verpasst, sich zusammen mit dem E-Sport als digitale Sportbewegung offen aufzustellen und eine klare Linie zu finden. Stattdessen verliert er das Vertrauen einer jungen Generation in den organisierten Sport.“

Es bleibt dem ESBD die Hoffnung auf eine politische Wende, bei der die Bundesregierung eventuell Einfluss auf den Deutschen Olympischen Sportbund nimmt und versucht, die im Koalitionsvertrag versprochene Unterstützung bei der Anerkennung einer eigenen „Sportart mit Vereins- und Verbandsrecht“ durchzusetzen. Am 28. November hat der eSport-Bund Deutschland jedenfalls Gelegenheit, sich bei einer öffentlichen Anhörung des Sportausschusses des Bundestages zum Status quo des E-Sports zu äußern. Am 8. November diskutierte das Parlament über einen Antrag der Bündnis 90/Die Grünen-Fraktion, indem es um die Gestaltung und Förderung des E-Sports geht.

McDonald’s geht E-sportliche Wege

Anders als der DOSB hat die Fast-Food-Kette McDonald's ein klares Pro-E-Sport-Statement abgegeben, zu Ungunsten des analogen Sports. So wird der Burger-Riese seine Sponsoring-Aktivitäten für den Deutschen Fußball-Bund (DFB) künftig nicht mehr fortführen und dafür seine E-Sport-Strategie vertiefen. Bereits Anfang des Jahres wirkte McDonald's als einer der Sponsoren der ESL Meisterschaft 2018, bei der die Besten um die Titel bei Spielen wie League of Legends, Fifa 18 und Counter Strike Go antraten. Damals wollte der Fast-Food-Gigant das Sponsoring der E-Sport Liga noch als „sinnvolle und vor allem zeitgemäße Ergänzung ihres bisherigen, traditionellen Sport-Engagements“ verstanden wissen.

McDonald's betont bezüglich des Rückzugs als Sponsor des DFB und des tieferen Einstiegs in die E-Sport-Szene, dass die Entscheidung für das eine nicht zwangsweise die Entscheidung gegen das andere sei. Die Hinwendung zum E-Sport und die Abwendung vom DFB-Sponsoring spiegle eine generelle Markenstrategie wider, mit der man näher an die Lebenswelt der Teens und Twens anschließen wolle. Dieser Akzent in der Ansprache der Teens und jungen Erwachsenen wird vor allem von der E-Sport-Szene als Aufwertung ihrer Branche gegenüber den traditionellen Sportverbänden und -veranstaltungen verstanden werden.

Autor: MB

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