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E-Sport: Gamer bei bester Gesundheit

Trends und Innovationen

Wie fit, vital und gesund sind E-Sportler eigentlich? Und welche Medien konsumieren sie, wenn sie mal nicht vor dem Screen sitzen? Diesen Fragen ging die eSport Studie 2020 der Deutschen Sporthochschule Köln nach. Befragt wurden hierfür etwa 1.200 professionelle, semiprofessionelle oder auch Gelegenheits- und Hobby-Gamer.

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Wissen wollten die Kölner Forscher von ihnen unter anderem:

  • wie viele Stunden die E-Sportler pro Tag vor ihren Controllern und Bildschirmen sitzen
  • wie viel Zeit sie täglich mit welchen Medien verbringen
  • wie es um ihre körperliche Aktivität steht
  • wie lange sie schlafen und
  • wo ihr Stresslevel-Pegel liegt

Vorweggenommen zeichnen die Ergebnisse der Studie ein Bild, das dem Klischee der übergewichtigen, lichtscheuen, blassen, bewegungsarmen und kränkelnden „Zocker“ nicht annähernd entspricht. Denn E-Sportler sind und ernähren sich gesünder, bewegen sich mehr und sind viel weniger gestresst, als man vermuten möchte.

E-Sportler, die unbekannte Spezies

Wie aber setzt sich die E-Sportler-Szene eigentlich zusammen? Auch hierauf hat die E-Sport-Studie passende Antworten: „Der durchschnittliche E-Sportler ist männlich (88 Prozent der Befragten), 23 Jahre alt, hat eine hohe Schulbildung […] und einen Body-Mass-Index (BMI) von 24,8 kg/m². Ebenso bestätigte sich [...], dass die Gruppe zu beinahe gleich großen Anteilen aus Schülern und Studenten (45,2 Prozent) sowie Auszubildenden und Vollzeit-Erwerbstätigen (44,9 Prozent) besteht.

So weit, so homogen. Doch, wie unterscheiden sich die E-Sportler untereinander, wenn es um die Zeit vor den Screens und den Unterschied zwischen Profis und Hobby-Zockern geht?

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Erwartungsgemäß verbringen E-Sport-Profis mit durchschnittlich fast 295 Minuten pro Tag mehr Zeit mit dem Zocken als Amateure oder auch Hobby-Spieler, die dafür im Schnitt täglich knapp 206 bzw. etwas mehr als 155 Minuten verbringen. Ex-E-Sport-Profis investieren immerhin noch 174 Minuten pro Tag in ihre alte Leidenschaft, während Gelegenheitsspieler mit rund einer Stunde pro Tag tatsächlich nur gelegentlich spielen.

Blickt man jedoch auf die Zeit, die alle E-Sportler-Kategorien insgesamt mit Videospielen verbringen, zeigt sich, dass das Verhältnis zwischen allgemeinem Zocken und E-Sports vor allem bei den Ex-Profis am stärksten Richtung E-Sport geht, verbringen diese doch fast drei von den insgesamt etwas mehr als 3,5 Spielstunden pro Tag mit E-Sport. Aktive E-Sport-Profis hingegen investieren dagegen fast fünf Stunden von in Summe etwa 6,5 Gaming-Stunden täglich in ihre Profession.

Messenger als beliebteste Medien der E-Sportler

Natürlich könnte man denken, dass E-Sportler doch sowieso schon genügend Zeit vor ihren Bildschirmen verbringen und in ihrer Freizeit eher zu Digital Detox tendieren. Tatsächlich entspricht das nicht ganz den Ergebnissen der E-Sport-Studie der Deutschen Sporthochschule Köln. Die nämlich zeigt: Das liebste Medium für E-Sportler sind Messenger-Dienste. Fast drei Stunden pro Tag verschicken Gamer in ihrer Freizeit Nachrichten über WhatsApp und Co.

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Immerhin noch über 2,5 Stunden ihrer freien Zeit verbringen sie mit E-Sport. Das wiederum klingt irgendwie redundant. Fast genauso viel Zeit, nämlich rund 140 Minuten, hören E-Sportler, wenn sie denn mal nicht spielen, Musik und Radio. Und etwas mehr als 100 Freizeit-Minuten investieren sie in Gaming-Videos bzw. Gaming-Streams. Ob das als Fort- oder Weiterbildung durchgeht, sagt die Studie leider nicht.

Nur etwa jeweils 1,5 Stunden widmen sich die Gamer in ihrer Freizeit den Social Media und dem Surfen im Internet. Eher abgeschlagen mit nur rund einer halben Stunde, finden sich die Printmedien auf dem letzten Platz der Präferenz-Skala der E-Sportler.

Insgesamt dominiert das Gaming der einen oder anderen, aktiven oder passiven Art auch bei der Freizeitgestaltung. Anzumerken ist bei der Analyse der Mediennutzung von E-Sportlern aber auch, dass die aufgeführten Medien bisweilen nebeneinander genutzt werden können und auch genutzt werden.

Bewegung ist alles – auch und gerade beim E-Sport

Wenn sich E-Sportler nun wirklich mal vom Bildschirm lösen können, dann machen sie das tatsächlich auch in Verbindung mit körperlicher Aktivität. Die am stärksten ausgeprägte physische Betätigung weisen ehemalige E-Sport-Profis auf. Sie sind im Schnitt 9,6 Stunden pro Woche körperlich aktiv. Dicht dahinter finden sich die Hobby-E-Sportler mit neun Stunden Bewegung pro Woche. Aber auch E-Sport-Amateure und Gelegenheits-Gamer weisen mit durchschnittlich wöchentlich 8,8 respektive 8,5 Stunden körperlicher Aktivität eine gesunde Balance zwischen Sitzen und dem Sport im klassischen Sinne auf.

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Nur die Profis unter den E-Sportlern sind mit knapp sieben körperlich aktiven Stunden pro Woche etwas fauler, was aber auch auf die Zeit zurückzuführen ist, die sie für ihren Beruf benötigen. Aber auch sie liegen mit wöchentlich 6,9 Stunden körperlicher Aktivität weit über den Bewegungsempfehlungen der Weltgesundheitsorganisation WHO. Die nämlich rät zu mindestens 2,5 Stunden pro Woche. Über alle Gamer-Kategorien hinweg nahmen die physischen Bewegungen der E-Sportler im Vergleich zu 2019 zudem um satte 16 Prozentpunkte zu.

Schlafen und Stress

Klar, E-Sportler sind aufgeweckte Menschen. Nur, sind sie auch ausgeschlafen? Ja, so die Ergebnisse der Studie. Denn mit im Schnitt gut sieben Stunden Schlafdauer pro Arbeitstag und etwas mehr als acht Stunden Schlaf am Wochenende, erholen sich die E-Sportler aller Gamer-Kategorien in einem gesunden Maß von ihren Spiel-Strapazen.

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Eine kleine Gamer-Besonderheit in Sachen Schlafgewohnheiten findet sich in den Ergebnissen der Studie dann aber doch: Knapp die Hälfte der Befragten ist vor allem am Wochenende Gaming-bedingt nachtaktiv und legt erst zwischen 1:00 und 5:00 Uhr den Kopf aufs Kissen. Dafür aber fällt der Schlaf dann länger aus.

Womöglich lässt sich auch durch die gesunde Schlafhygiene erklären, dass sich der Stress für die meisten in guten Grenzen hält. Denn die überwiegende Mehrheit der E-Sportler ist entweder sehr oder zumindest moderat entspannt. Nur etwas mehr als zwei Prozent empfinden einen subjektiv hohen Stresslevel.

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E-Sportler sind Freunde von Offline

Dass E-Sportler auch abschalten und den Game-Stecker ziehen können, zeigen die Antworten auf die Frage, wie oft sie eine schöne Zeit mit Freunden verbracht haben – online ebenso wie offline. Insgesamt 665 Offline-Nennungen für „oft“ bzw. „sehr oft“ und sogar 223 für „immer“ entkräften das Klischee vom einsamen Gamer-Misanthropen. Das gilt auch dann, wenn zumindest bei den Nennungen für „sehr oft“ und „immer“ die schönen Online-Momente die Offline-Begegnungen überwiegen.

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Doch egal in welcher Form: Freunde sind Balsam für die Seele. Schöne Zeiten mit ihnen wirken Wunder, ob man sie nun offline oder online gemeinsam verbringt. In jedem Fall sorgen häufige Offline-Treffen dafür, dass die Sitzzeiten (zumindest vor dem Screen) etwas verkürzt werden. Und sowohl Freunde, wie auch mehr Bewegung und Schlaf haben ihrerseits dazu geführt, dass die Forscher der Deutschen Sporthochschule Köln in Sachen E-Sportler zu dem Fazit kommen, dass es bei der Gamer-Gesundheit und dem Wohlbefinden insgesamt weniger Probleme als erwartet gibt, wenn auch gerade die langen Sitzzeiten der Gamer einen „möglichen Ansatzpunkt für weiterführende Gesundheitsförderung“ darstellen.

Autor: MB

(Quelle aller Abbildungen: eSport Studie 2020 - Deutsche Sporthochschule Köln)

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