Blickwinkel

E-Sports in Entenhausen

Trends und Innovationen

Wie der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) zu E-Sports steht, darüber hatte er ja bereits im Herbst 2019 keine Zweifel gelassen: E-Sports mag E-Gaming sein, doch mit „richtiger“ Bewegung haben die Konsolen-Games nicht das Geringste gemeinsam.

Um das zu untermauern und es gerade rechtzeitig vor den (nun ja doch verschobenen) Olympischen Sommerspielen in Tokio in den Köpfen der Kids und Teens zu verankern, verlegte der DOSB sein Spielfeld kurzfristig in eine andere Welt. In Form eines sechsseitigen Comics hielt der Verband nämlich Einzug in die Welt von Micky Maus, Donald Duck und Tick, Trick und Track.

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(Quelle: DOSB)

Prominente Unterstützung gab es dabei gleich in zweifacher Ausfertigung: Neben dem mittlerweile genau seit 50 Jahren überall herumturnenden DOSB-Maskottchen Trimmy, wurde auch Ex-Alpin-Ski-Ass Felix Neureuther „verpflichtet“ bzw. sein Comic-Alter-Ego. Ihre Mission: Den Kids, respektive jungen Enten, mal zeigen, wie und warum man den „Schritt von Konsole und Passivität zu echter Bewegung und gesundem Lebensstil“ gehen sollte.

Computer- und Smartphone geschädigte Jugend vor der Daddelbox

Der missionarische Eifer des DOSB greift nun also tief hinein nach Entenhausen. Dort, im altbekannten Wohnzimmer von Donald Duck, zocken seine drei Neffen Tick, Trick und Track gerade „Sportstar20“ an der wohl etwas lahmen „PlaX“, als ihrem Onkel die Seemützenschnur reißt: „Geht lieber raus und treibt richtigen Sport! Die Daddelbox macht euch nur schlapp und träge.“

Um den Dreien einen wirksamen Anreiz zu geben, schlägt ihnen Donald einen Deal vor: Sie messen sich mit ihm in einem klassischen Dreikampf und dürfen dabei sogar die Disziplinen wählen. Sollten Tick, Trick und Track gewinnen, schenkt Donald ihnen die neueste PlaX. Sollten sie ihm unterliegen, dürfen sie einen Monat nicht daddeln.

Klar, dass sich die drei cleveren Brüder nicht ohne (Ski-)Ass im Ärmel auf diesen Wettkampf einlassen und mit Felix Neureuther von einem erfahrenen Ex-Profi-Sportler unterstützt werden. Dass dieser wiederum mit seinem eigenen Projekt „Beweg dich schlau!“ Kinder zu mehr Sport motivieren will, passt ebenso gut zum Plot wie das Comic-Motto „Lasst die Spiele beginnen“ zur Fehde zwischen DSOB und E-Sports-Branche, die der Deutsche Olympische Sportbund nun auch nach Entenhausen getragen hat. Am Ende gewinnen Tick, Trick und Track gegen ihren Onkel. Ob das letztlich als Sieg des E-Sports über klassische Bewegungsformen gewertet werden sollte, fragen sich nicht nur viele User auf Twitter.

Olympischer E-Sport-Geist von Entenhausen bis in den Ruhrpott

Eher der Realität verpflichtet gibt sich derweil der eSport-Bund Deutschland e.V. (ESBD). Mit Blick auf eine mögliche Kandidatur der Rhein-Ruhr-Region für die Olympischen Spiele 2032 (oder eher später), setzt ESBD-Präsident Hans Jagnow auf Versöhnung und Verbindung. So bietet er dem DOSB seine e-sportliche Unterstützung bei der Ausrichtung eines „gemeinsamen Fests der olympischen Werte zwischen traditionellen und neuen Sportbewegungen“ und noch konkreter für eine „nachhaltige und pragmatische Integration von eSport in die Olympischen Spiele“ an.

Ob der DOSB womöglich auch in Form seines altgedienten Maskottchens Trimmy den E-Sports irgendwann im Olympischen Geiste die Hand reicht oder gar eine zeitgemäße Neuauflage der 1970er Kampagne „Trimm dich durch Sport“ im Sinne von „Trimm dich auch durch E-Sports“ auflegen wird? Oder müssen wir eher damit rechnen, dass Trimmy demnächst auch in anderen bekannten Comic-Welten ungefragt, aber DOSB-gesponsert gastiert? Nun, solange der Olympische Geist über Sportart-Grenzen hinweg übergeben wird, besteht in jedem Fall noch Hoffnung auf eine Annäherung.

Autor: MB

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