Blickwinkel

Erster KI- Nachrichtensprecher kommt aus China

Trends und Innovationen

Ein Nachrichtenmoderator, der 24 Stunden täglich arbeiten kann, kein Gehalt fordert und brav vorgegebene Texte abliest, ohne Aufzumucken – warum wundert es nicht, dass dieser für eine chinesische Nachrichtenagentur arbeitet? Genauer gesagt, von ihr erfunden wurde. So hat das staatliche chinesische Medienunternehmen Xinhua kürzlich auf der alljährlichen World Internet Conference in der ostchinesischen Stadt Wuzhen einen virtuellen Nachrichtenmoderator vorgestellt.

Menschliche Mimik durch maschinelles Lernen

Der in Zusammenarbeit mit dem Pekinger Technologie-Unternehmen Sogou Inc. entwickelte Avatar wurde dem echten chinesischen Nachrichtenmoderator Zhang Zhao nachempfunden. Mit Hilfe von maschinellem Lernen wurde dem virtuellen Moderator menschliche Stimme, Mimik und Gestik antrainiert. Mittels Sprachsynthese liest der computergesteuerte Avatar dann mit entsprechenden Mundbewegungen in sein System eingespeiste Texte vor. Es gibt ihn zwei Versionen – die eine spricht Englisch, die andere Mandarin. Laut Xinhua lerne der virtuelle Moderator durch das Anschauen von Videos mit menschlichen Nachrichtensprechern selbstständig.

KI oder nur klonende Computertechnik?

Ob der virtuelle Nachrichtensprecher wirklich als Künstliche Intelligenz (KI) gelten kann, ist allerdings fraglich. Schließlich reagiert er lediglich auf die Texte, mit denen er gespeist wird. Und das mit einer Performance, die noch nicht wirklich marktreif ist: Er spricht stockend, klingt unnatürlich und bewegt sich ziemlich steif mit recht hölzerner Mimik. Trotzdem stellt sich der Avatar bei seinem ersten öffentlichen Auftritt höflich als „KI-Nachrichtensprecher in Peking“ vor. Laut Süddeutscher Zeitung sei die Entwicklung des Avatars ein Eingeständnis, dass Journalisten in China nur Sprachrohr der Regierung seien.

Staatlich kontrollierte Effizienz

Jedenfalls sei Xinhua stolz darauf, dass ihr virtueller Nachrichtensprecher als reguläres Mitglied des Nachrichten-Teams gelte, wie der Konzern in einer Pressemitteilung betonte. So soll er künftig auf der offiziellen Internetseite der Nachrichtenagentur und auf diversen Social-Media-Plattformen zum Einsatz kommen. Vielleicht wird er ja bald seine echten Kollegen ersetzen. Nicht, dass diese nicht systemkonform regierungsfreundliche Propaganda unters Volk bringen würden, sondern, weil die künstliche Konkurrenz ohne Bezahlung rund um die Uhr arbeiten kann. Das spart Produktionskosten und steigert die Effizienz.

Milliarden für KI

So ist KI nicht nur ein Ziel des aktuellen Fünfjahresplans der chinesischen Führung, sondern auch Teil des Entwicklungsplans „Made in China 2025“, mit welchem die Wirtschaftsmacht in den kommenden Jahren an die Industrienationen aufschließen will. Dafür macht Peking Milliarden an Fördermitteln locker.

Auch unsere Bundesregierung hat übrigens kürzlich beschlossen, drei Milliarden Euro in KI zu investieren. Das geht aus einer 80-seitigen Strategie zur Künstlichen Intelligenz hervor, in welche das Handelsblatt schon mal luschern durfte. Mit dieser Strategie wolle man „Artificial Intelligence (AI) made in Germany“ zum weltweit anerkannten Gütesiegel machen.

Man darf also gespannt sein, welcher große Player das digitale Wettrüsten „gewinnt“. Und welcher Natur der Nachrichtensprecher sein wird, der dies dann im nächsten Jahrzehnt verkündet.

Autor: KS

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