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Google exkludiert Ei aus seinem Salat-Emoji

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Wer's vegan will, der verzichtet beim Essen auf alle tierischen Produkte – also auch auf Eier. Da passte es veganen Android-Usern natürlich nicht so in den Salat, wenn aus Googles Salat-Emoji bisher das Eigelb und Eiweiß eines gekochten Eis herausstachen und das, obwohl Unicode doch klar definiert hat, was einen grünen Salat ausmacht: Eine Schüssel mit gesundem Blattsalat, Tomaten, Gurken und anderen gesunden Salat-Sachen. Keine Eier, keine Hähnchenbrustfilet-Streifen. Einfach nur Grünes und Gesundes.

Google kündigt an, das Ei nun aus dem Salat-Emoji zu entfernen und mit der neuen Beta-Version von Android P, die voraussichtlich im Sommer 2018 verfügbar sein wird, auf ein rein veganes Salat-Symbol zu setzen. Und zwar mit der Erklärung, man achte bei Google sehr auf Diversität sowie Inklusion und lebe diese selbstverständlich in aller Konsequenz – auch und gerade bei der Kommunikation der Nutzer mit- und untereinander. Vor allem aber wolle man der Unicode-Definition eines Salats noch näher sein. Insofern wird das neue Salat-Emoji sozusagen regelkonform aufgetischt.

Vordenker oder Nachzügler?

Der Eier-Bann beim jüngsten Google Emoji-Update ist tatsächlich nur eine von insgesamt 157 Neuerungen. Zu den entstaubten und aktualisierten Emojis zählen beispielsweise solche ohne Genderzuweisung, die optionale Darstellung gleichgeschlechtlicher Paare und alternativer Familienmodelle. Kurzum: ein aktualisiertes Abbild von normalen und neuen (zwischen)menschlichen Realitäten. Zu denen gehören (und gehörten wohl auch immer schon) Rothaarige, Weißhaarige und Menschen mit Glatze oder Locken. Auch für sie gibt es nun ein optional genderneutrales Emoji.

Entschärft wurde das Pistolen-Emoji. Jetzt kann man nämlich nur noch – passend zum Sommer – Wasserpistolen versenden. Und auch die sonst eher grimmig dreinschauende Ziege sieht einen nun viel freundlicher an. Ganz wichtig schließlich: Das Geigen-Emoji bekommt endlich eine Kinnstütze, sodass auch im Orchestergraben korrekt kommuniziert werden kann.

Gerade aber mit Hinblick auf das Emoji-Ei des Anstoßes, hat Google eher spät nachgebessert, da praktisch alle anderen Dienste – von Apple bis WhatsApp – ihre Salat-Bilder längst schon vollkommen vegan präsentieren. Ähnliches gilt übrigens auch für die Wasserpistole, die Apple bereits 2016 mit der iOS 10-Version eingeführt hatte.

Beifall und Buh-Rufe für Google

Das seltsame oder gar befremdliche an den Reaktionen über das Emoji-Update für Android P ist eigentlich, dass scheinbar keine einzige Neuerung so viel Wirbel erzeugt hat, wie die Entscheidung, den Salat künftig ohne Eier auf Tablets sowie Smartphones zu servieren und versenden bzw. empfangen zu können. Dabei hatte Jennifer Daniel, User-Experience-Managerin bei Google, die Verbannung des Eis aus dem Emoji-Salat ja zusammen mit den anderen zahlreichen Emoji-Updates und mit Hinweis auf Googles Priorisieren von Diversität und Inklusion auf Twitter publik gemacht.

Dass sich die einen oder anderen aber nur das (Gelbe vom) Ei herauspicken, um darauf dann herumzuhacken oder eben auch nur genau dieses Update als besonders Lobenswert preisen, spiegelt natürlich nicht erschöpfend wider, was Google sich für die neueste Version seines Android-Betriebssystems hat alles einfallen lassen – abgesehen von der Kinnstütze beim Geigen-Emoji.

Dazu gehören beispielsweise die unter dem Schlagwort Digital Wellbeing zusammengefassten Funktionen: Features, wie der App-Timer oder auch aktualisierte Funktionen des Nicht-Stören-Modus sollen Nutzer dabei unterstützen das Smartphone schneller, länger und früher am Tag aus der Hand zu legen. Das automatische Ausblenden und Ausgrauen von Apps und Anrufen ab einer vom User definierten Uhrzeit gehören unter anderem zu diesen Hilfestellungen.

Um am Ende aber nochmals auf die Vorspeise – das rein vegane Salat-Emoji – zurückzukommen: Die Entscheidung Googles löste neben Spott, Häme und Zustimmung auch Kritik beispielsweise seitens fleischverarbeitender oder eierproduzierender Unternehmen und deren Verbänden aus. Die nämlich fühlen sich angesichts des unfreiwilligen Eier-Exodus aus Googles Salat-Emoji in einen veganen Gruppenbann genommen. Schließlich, so einige Vertreter dieser Interessensgruppen, sei beispielsweise in Großbritannien der Eierkonsum um 5 Prozent gestiegen und überhaupt gäbe es viele Menschen, für die ein Ei oder auch Fleisch einfach zu einer guten und gesunden Ernährung gehörten. Diese nun durch das Update bei Googles Emojis ihrerseits zu diskriminieren, würde den Bemühungen um mehr Inklusion und Diversität seitens des Tech-Giganten widersprechen.

Autor: MB

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