Blickwinkel

Instagram Direct Messages bald auch für Desktop?

Trends und Innovationen

Jane Manchun Wong ist nicht nur eine weltweit anerkannte Expertin für Reverse Engineering-Technologien, sondern vor allem auch eine von den Social-Media-Playern gefürchtete App- und Tech-Detektivin. Denn die clevere Informatikerin seziert sozusagen die inneren Welten der Anwendungen der großen sozialen Netzwerke und kommt damit in Codes verborgenen Dingen, Betas und Prototypen auf die Spur, die Facebook, Twitter und auch Instagram lieber noch nicht in der webweiten Welt gepostet sehen möchten.

Die kürzlich von Jane auf Twitter geposteten Screenshots eines Instagram-internen Prototypen sorgten folgerichtig für Furore und Spekulationen rund um Instagram. Die Profi-Unboxerin hatte nämlich herausgefunden, dass die Foto- und Videoplattform scheinbar Funktionen testet, die künftig das Verschicken von Direktnachrichten über die Desktop-Version des Dienstens erlauben könnten.

Bisher geht dies nur über die Instagram-App, ebenso wie auch Stories nur über die Anwendung bzw. über die mobile Website hochgeladen werden können. Auch deswegen, so viele Instagramer, würde der Desktop-Version ein umfassender Funktions-Pimp nicht schaden, lässt sich doch aktuell über den stationären Rechner bzw. über den Laptop kaum mehr als der Feed abrufen.

Die Vermählung der Messengerdienste

Über den tieferen Sinn hinter der Möglichkeit, künftig auch Direct Messages über praktisch alle Endgeräte hinweg verschicken und lesen zu können, lässt sich bisher nur spekulieren, auch weil Instagram selbst bisher nur verkündete, dass dieser Test kein öffentlicher sei und den externen Zugriff darauf schnell wieder verschloss. Manch einer vermutet jedenfalls, dass der Prototyp im Zusammenhang mit Facebooks Plänen steht, die Messengerdienste von Facebook, WhatsApp und eben auch Instagram auf einer technischen Plattform zusammenzuführen. In gewisser Weise ist dies ja bereits wenigstens teilweise schon geschehen. So kündigte Facebook Anfang Februar an, dass Business-Kunden in Brasilien und den USA bald schon in der Lage sein werden, Instagram Direct Messages über die Nachrichtenfunktion ihrer (Desktop und mobile) Facebook-Seiten empfangen und beantworten zu können.

Wie wichtig das Thema Direct Messages für Instagram ist, zeigte zudem ja bereits die Testversion der Standalone-App Direct Ende 2017. Bisher erreichte die Anwendung jedoch nur Nutzer in sechs Ländern. Wie es mit der Direct-App weitergeht und welche Ergebnisse die Tests mit Usern in Chile, Israel, Italien, Portugal, Türkei und Uruguay erbracht haben, steht noch nicht fest.

Eine App = eine Sache

Sicher ist aber, dass gerade eine ausgebaute Messaging-Funktion – also eine, über die man im Stile von WhatsApp nicht nur Bilder und Videos teilen, sondern tatsächlich auch chatten kann – die Instagram-User noch enger und länger an die Plattform binden könnte bzw. auch soll. Versuche, die Instagram-App internen Chats mit noch mehr Leben und Funktionen zu erfüllen, gab es ja einige – also beispielsweise die Möglichkeit GIFs einzufügen oder auch Sprachnachrichten bzw. Live-Videos an Gruppen von Usern zu versenden. Je umfassender die Features sind und je umfassender und erfüllender die Nutzererfahrung dadurch wird, desto weniger und seltener „treiben“ sich die Nutzer in anderen Apps herum und desto länger und intensiver verweilen sie auf Instagram.

Und doch widersprechen Instagram-Super-Chat-Ambitionen dem Credo von Mark Zuckerberg („On mobile, each app can only focus on doing one thing well.“). Andererseits unterstreicht seine Weissagung womöglich aber gerade auch Instagrams Plan, die Direktnachrichten auch auf stationäre Geräte zu bringen. Schließlich orakelte es der Facebook-Chef doch höchst selbst: „On mobile [...]“. Von stationär oder Laptop war nie die Rede.

Autor: MB

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