Blickwinkel

"Kauft keine Coca-Cola"

Trends und Innovationen

„Kauft keine Coca-Cola! ...“ Was auf den ersten Blick wie ein Boykottaufruf aussieht, ist auf den zweiten Blick eine findige Werbekampagne. Denn hinter dem vermeintlichen Boykottaufruf stehen weder Umweltschützer noch die Konkurrenz, sondern der Getränke-Konzern selbst.

Gutmensch-Botschaft im Kleingedruckten

Wie immer kommt es also auf das Kleingedruckte an. Welches die Konsumenten in Belgien und den Niederlanden auf den dortigen Plakaten und im Social Web auch lesen müssen – ansonsten könnte die Kampagne auch nach hinten losgehen.

Der kleine Zusatz „... wenn ihr uns nicht beim Recyceln helft“ springt erst auf den zweiten Blick ins Auge des Betrachters. Mit der jüngst dort gestarteten Gutmensch-Botschaft will der Brause-Hersteller weltweit auf Tour gehen: Vor allem auf Festivals sowie in Social Media will der Getränke-Gigant den Sommer über mit besagtem Motiv seine Message unters Volk bringen.

Recycling-Kreislauf

Hintergrund sind die Pläne Coca-Colas bis spätestens 2025 alle Verpackungen der Wiederverwertung zuzuführen und, zumindest in Europa, mindestens zur Hälfte recyceltes Plastik für die Flaschen-Produktion zu verwenden. Und das sei eben nur möglich, wenn die Kunden mitmachen und ihre leeren Flaschen fachgerecht entsorgen. Laut einer Studie könnte es 2050 mehr Plastik als Fische im Ozean geben. Das wäre echt doof.

Noch besser als Recycling

Ein bisschen doof ist allerdings auch die Tatsache, dass die Aufbereitung von Plastikmüll generell energieintensiv ist. Für Umweltaktivisten ist die einzig sinnvolle Alternative zu Plastik möglichst viel Plastik zu vermeiden. Das hat Coca-Cola sogar vor einigen Jahren bereits versucht, indem das Unternehmen versucht hat, einen Biokunststoff zu entwickeln. Es gab sogar einen Prototyp, doch die recycelbare Flasche hat es nicht auf den Markt geschafft, weil ihre Herstellung nicht wirtschaftlich war.

Zähe Biokunststoff-Entwicklung

Immerhin hat sich Coca-Cola 2016 mit 39 weiteren Firmen verpflichtet, weniger Plastik einzusetzen. Und dieses Jahr wurde eine Allianz mehrerer Unternehmen ins Leben gerufen, um die sich nur zäh entwickelnde Biokunststoff-Entwicklung anzukurbeln. Neben Coca-Cola, McDonald’s, Procter & Gamble und Nestlé ist auch der Lego-Konzern mit von der Partie. Dieser tüftelt schon seit 2012 an einer nachhaltigen Alternative für seine Plastiksteinchen – bis dato leider erfolglos.

Lockeres Markenimage

Dass sich die Großkonzerne nun zu einer konzertierten Aktion zur Plastiksubstitution zusammengetan haben, hat auch mit dem Druck der Verbraucher zu tun. Und zahlt positiv auf das Markenimage ein. So hat es das Marketing von Coca-Cola seit jeher geschafft, auf unvergleichliche Weise positive Werte und Emotionen zu transportieren und seiner zuckerhaltigen Brause in Plastikverpackung ein gesundes, lebensfrohes Image verpasst. Zwar wurde der Zuckergehalt reduziert, beziehungsweise substituiert, dennoch ist Coca-Cola alles andere als gesund.

Autor: KS

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