Blickwinkel

#NicezuTieren - mal eben schnell die Welt retten

Trends und Innovationen

Mit ihrer aktuellen Kampagne #NicezuTieren ruft die Tierschutz-Organisation PETA zu veganer Lebensweise auf. Kernstück der Kampagne ist ein Musikvideo, welches auf augenzwinkernde Weise zeigen will, wie man durch den Verzicht auf tierische Produkte ein noch besserer Mensch wird.

„Richtig nice ist nur vegan“

So tanzt in dem, von der Videoproduktion Bigfish erstellten, Clip ein blauer Hase vor einem „Publikum“ aus Obst und Gemüse und rappt die Parole „Richtig nice ist nur vegan“. Vorher proklamiert er noch mal schnell eine politisch korrekte Haltung zu den aktuellen Missständen dieser Welt wie Klimawandel, Atomkraft, Regenwaldabholzung, Plastikmüll und Neo-Nazis: „Du machst schon sehr viel richtig, das ist super heiß. Ab jetzt nur noch vegan, ab jetzt zu Tieren nur noch nice!“ Die Kakophonie gehypter Schlagwörter will PETA als Lob für engagierte Erdenbürger verstanden wissen. So stellt der Song laut Pressemitteilung einen Appell an Menschen dar, „die sich für Nachhaltigkeit und Gerechtigkeit einsetzen“. Ein schaler Beigeschmack von Bewertung und Bevormundung aber bleibt.

Polemische Political Correctness

PETA bestimmt also, wer richtig nice ist – und wer das Klassenziel noch nicht erreicht hat. Und PETA weiß, wie wir uns ernähren sollten. Natürlich kann ein Musikclip ein komplexes Thema nur stark komprimiert präsentieren. Aber gerade deswegen sind Formulierungen besonders wichtig. Insbesondere dann, wenn eine jugendliche Zielgruppe angesprochen wird, die sehr empfindsam auf Einordnung reagiert. Die dazugehören möchte. Zu „den Guten“ natürlich. Die sich zu vielen Dingen noch keine eigene Meinung gebildet hat, weil es vielleicht schlichtweg an richtig aufbereiteten Informationen fehlte.

Verkürzte Zusammenhänge

So wird der Zusammenhang zwischen Nutztierhaltung und Klimaproblematik, Umweltverschmutzung, Welthunger und sozialer Gerechtigkeit nur auf der dazugehörigen Kampagnen-Webseite angerissen. Genauso wie der Umstand, dass eine vegane Lebensweise viel mehr bedeutet als das Ablegen einer kleinen, schlechten Gewohnheit. Und überdies weit mehr ist, als das geforderte „iss keine Tiere mehr“. Zwar mahnt auch der Weltklimarat in seinem jüngsten Sonderbericht zum Klimawandel eine Ernährungsumstellung an, sieht aber auch in einem „moderaten Verzehr von Fleisch, Fisch und Milchprodukten“ noch Potential, die Treibhausgas-Emissionen zu verringern.

Unzureichende Aufklärung

So stellt „super nice vegan“ schließlich eine gravierende Ernährungsumstellung dar, die viel Wissen voraussetzt. Damit durch ausgeklügelte Nahrungsergänzung die Gefahr einer Mangelernährung gebannt werden kann. Letzteres dämmert vielleicht so manch einem, der sich auf der Kampagnenwebseite zum 30-tägigen „PETA Veganstart“ angemeldet hat, um zu schauen, ob man „Bock auf Vegan“ hat. Tut man dies, wird man plötzlich gesiezt und bekommt als erstes einen kleinen Kühl- und Vorratsschrank-Check angeboten. Was diejenigen, die das Musikvideo mit einem Fingerwisch schnell konsumiert haben und schon die nächste Anforderung an Political Correctness verarbeiten, wohl gar nicht mehr mitbekommen.

Message geschluckt?

So ist die Reaktion auf das Video in den sozialen Netzwerken auch größtenteils positiv. Die meisten fahren auf den Beat ab. „Mega-nice“ und „Sommerhit“ heißt es da beispielsweise. Eine inhaltliche Diskussion entspinnt sich nicht. Entweder die Zielgruppe hat die Message anstandslos geschluckt oder PETA muss die Welt allein retten.

Autor: KS

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