Blickwinkel

Paartherapie mit Facebook

Trends und Innovationen

Gehässig formuliert, könnte man die auf der Facebook Developper Conference F8 von Mark Zuckerberg himself angekündigten neuen Dating-Funktionen als Charme-Offensive deuten. Vielleicht aber auch als Versuch, das verlorene Vertrauen vieler User in die Beziehung zu Facebook und in die Absichten der Plattform irgendwie spektakulär zu kitten. In jedem Fall, so „Zuck“, sollen die Dating-Funktionen den 200 Millionen Menschen, die nach eigenen Angaben auf Facebook Single sind, dabei helfen, bedeutsame und langlebige Beziehungen (Meainingful Relationsships) aufzubauen. Potenzial scheint es dem Facebook-Chef zufolge einiges zu geben, geht doch jede dritte Ehe in den USA auf Online-Aktivitäten zurück.

Damit Facebook-Nutzer zur weiteren Verbesserung dieser und anderer Beziehungsstatistiken beitragen können – auch ohne Zwang und Angst vor der Entdeckung anderer Facebook-Freunde – ist die über die Facebook-App bereitgestellte Funktion „rein optional“ und Facebook-Freunde können das erstellte Dating-Profil nicht einsehen. Wie es zudem in guten Beziehungen sein sollte, hat man diesmal aus den Fehlern der Vergangenheit gelernt und laut Zuckerberg bei der Entwicklung der Dating-App von Anfang an auf Datenschutz und Sicherheit geachtet. 

Herzklopfen in Textformat

Zu dem Schutz der Dating-Privatsphäre gehört, dass man in Sachen Matching nur solche Kontakte vorgeschlagen bekommt, mit denen man nicht auf Facebook befreundet ist, die sich ihrerseits für das Dating angemeldet haben und die vor allem passen. Woher Facebook aber weiß, wer zu einem passt und wie die Daten fürs Dating für das Matching genutzt werden, darüber wird man wohl erst dann mehr erfahren, wenn die App verfügbar ist – wahrscheinlich irgendwann Ende des Jahres. 

Chris Cox, Facebooks Chief Product Officer, orakelte jedenfalls, dass man sich bei der Entwicklung der Dating-Funktionen die einzigartigen Eigenschaften der Plattform zu Nutze gemacht habe.

Weitere Sicherheit will Facebook dadurch sicherstellen, dass die Dating-Profile sich quasi zwar im Netzwerk befinden, aber irgendwie auch außerhalb davon bewegen können. So sollen Interessierte die Möglichkeit haben, eine separate und vom eigenen Profil unabhängige Dating-Seite einzurichten, die sich passenderweise über ein Herz-Icon in der App auswählen lässt.

Ebenso abweichend vom eigentlichen Facebook-Netzwerk sollen die Optionen der Kontaktaufnahme für eventuelle Datings sein – nämlich ausschließlich über Textnachrichten und ganz ohne Bilder oder Videos.

Facebooks Dating-App-Ankündigung stößt auf gemischte Gefühle

Allen voran Match Group, das Dach unter dem Dating- und Flirt-Apps wie Tinder, OkCupid und Match.com gewachsen sind, zeigte sich überrascht über Zuckerbergs Ankündigung, Facebook bald mit neuen Dating-Funktionen auszustatten. Schließlich (und mit Hinblick auf das gigantische Cambridge Analytica Leck) würde mit diesen neuen Funktionen doch auch wieder eine neue gigantische Menge an Daten erhoben. Andere zeigten sich weitaus zynischer. So verwies Joey Levin, CEO der Match Group-Muttergesellschaft IAC, darauf, dass die neue Dating-Funktion bei Facebook eine große Hilfe für die Beziehungen zwischen den USA und Russland sein könnten.

In jedem Fall schickte die Dating-App-Ankündigung die Aktien von Match, OKCupid und IAC zeitweise in den Keller, mit zweistelligen Kursverlusten. Damit sich Facebooks Beziehung zu den Einnahmen durch die Dating-App ihrerseits nicht abkühlt, wird sie wohl (zunächst) gratis sein und könnte in jedem Fall dazu dienen, die Werbeeinnahmen auch durch das Erheben neuer Daten und das Schaffen neuer Werbeplätze zu steigern. Genauso ist es denkbar, dass sich viele neue User auf Facebook anmelden, um (unter anderem oder vor allem) die Dating-Funktionen zu nutzen. Das wiederum bereitet den Betreibern anderer Dating-Dienste Sorge, wissen sie doch um die Größe und Popularität von Facebook.

Andererseits muss erwähnt werden, dass sich User der Dating-App Match dort mit ihren Facebook-Login-Daten anmelden können, was wiederum dazu führt, dass Facebook einen wichtigen Teil zum Erfolg von Match beigetragen hat.

In jedem Fall und abschließend betrachtet, wird die Beziehung – also die Wortverwandtschaft – von Date und Daten vor allem in Verbindung mit Facebook uns wohl auch weiterhin fesseln.

Autor: MB

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