Blickwinkel

Skype rückt Hintergrund in den Fokus

Trends und Innovationen

Das Wesentliche sollte immer im Vordergrund stehen. Das hat nun auch der Videotelefonie-Pionier Skype entdeckt und rückt den Nutzer in den Fokus – und dass, indem der Hintergrund weichgezeichnet wird. Diese vom Portrait-Modus bei Smartphone-Kameras bekannte Blur-Funktion soll bei Videoanrufen dabei helfen, dass sich die Teilnehmer eines Videotelefonats voll und ganz aufeinander konzentrieren können. Störende oder eventuell auch nur irritierende Hintergründe wie beispielsweise unaufgeräumte Zimmer, Bilder an den Wänden oder ähnliche „Hingucker“, die ja eigentlich keine sein sollten, werden weichgezeichnet, wenn auch nicht vollkommen ausgeblendet.

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(Quelle: Skype)

Bisher stand eine vergleichbare Funktion nur Business-Kunden mit der Communications- und Collaborations-Lösung „Microsoft-Team“ zur Verfügung. Ab sofort aber können nun auch private User mit der neuesten Skype-Version ihr Konterfei dank Blur-Funktion scharfstellen lassen. Allerdings, so Skype in seinem Blogpost, könne man nicht garantieren, dass der Hintergrund zu jeder Zeit weichgezeichnet sei. In jedem Fall aber benötigt die Künstliche Intelligenz, die im Hintergrund der Anwendung den Weichzeichner-Pinsel schwingt und permanent zwischen Gesichtern, Händen und Armen einerseits und gestapeltem Geschirr andererseits unterscheiden muss, mehr Arbeitsspeicher und Rechnerleistung, um das Wesentliche – also die Person – kontinuierlich im Vordergrund zu halten. Funktioniert dies jedoch, kommen Videocalls per Skype auch im privaten Bereich ebenso wie bei Vloggern oder YouTubern künftig auch ganz ohne aufwendige Nachbearbeitung gleich viel professioneller und klarer rüber.

Machtkampf der Instant-Messenger-Dienste

Mit der Blur-Funktion wie aber auch bereits mit der Ende 2018 eingeführten Erweiterung, Videogespräche zu untertiteln oder auch mithilfe der Alexa-Integration im Herbst des letzten Jahres, stemmt sich Skype gegen starke Wettbewerber wie Slack oder auch Zoom und nicht zuletzt auch WhatsApp und Threema. Auf letzteren (hausgemachten) Messenger ist kürzlich die Schweizer Verwaltung umgestiegen. Vorher nutzten die Eidgenössischen Verwaltungsmitarbeiter entweder WhatsApp oder eben Skype for Business.

Gerade im Bereich der Unternehmenskommunikation, wo Skype respektive Microsoft ja eigentlich Geld verdienen, entschied sich jüngst nicht nur der Schweizer Bund gegen Skype. Einer Studie der Identitätsmanagement-Spezialisten von Okta zufolge nutzten letztes Jahr 75 Prozent aller Kunden von Microsofts 365-Kommunikations- und Zusammenarbeitslösung ein anderes Collaborationstool als Skype, das ja sowieso in Microsoft 365 integriert ist. 33 Prozent bedienten sich gar drei weiterer Programme.

Survey Video Conference App Experience.png

(Quelle: Okta)

Für 23 Prozent der Befragten war Skype gar die am wenigstens geliebte Lösung und für 16 Prozent die App mit dem höchsten Stressfaktor überhaupt, das aber auch wohl deswegen, weil diese Personen sich bei Videokonferenzen generell unwohl fühlen. Ganze 14 Prozent gaben zudem an, dass sie bei Videokonferenzen das Bewegtbild ganz ausblenden und ausschließlich auf Audio setzen. In diesem Sinne vermag es Skypes neue Blur-Funktion zwar immer noch nicht, das Unbehagen gegen Videokonferenzen aus den Gesichtern der Teilnehmer zu filtern, lässt dafür aber wenigstens die Unordnung im Hintergrund verschwimmen. Und wer weiß, vielleicht fühlen sich dann bald auch die Videomuffel innerlich viel aufgeräumter vor der Kamera.

Autor: MB

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