Blickwinkel

Social Media ganz im Vertrauen

Trends und Innovationen

Vor gut eineinhalb Jahren trat die Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) EU-weit in Kraft. Die Regelung soll dem Schutz persönlicher und personenbezogener Daten dienen – auch in den sozialen Netzwerken. Wie aber hat sich seither die gefühlte Datensicherheit bei den Usern von Plattformen wie Instagram, Facebook und Twitter oder von Nutzern der Karrierenetzwerke LinkedIn und XING entwickelt?

Dieser und anderen Fragen geht die repräsentative Studie „Ein Jahr DSGVO – Vertrauen in soziale Netzwerke“ nach, die im Auftrag der Hubert Burda Media von der TÜV Nord Group und Statista durchgeführt wurde. Wissen wollte man von den 1.001 Teilnehmern u.a., wie sie die Seriosität der einzelnen Social Media einschätzen, wie groß ihr Vertrauen in sie und den Schutz ihrer Daten ist oder auch, ob und in welcher Form die DSGVO zu mehr Datenabstinenz seitens der User beigetragen hat.

XING und LinkedIn: Seriös und vertrauenswürdig

Auf die Frage, welches Netzwerk den höchsten Grad an Seriosität genießt, ist sich über ein Drittel der Befragten einig, dass dies die deutsche Business-Plattform XING sei. Das größere amerikanische Pendant LinkedIn folgt mit 27 Prozent. Ein Fünftel der Studienteilnehmer wiederum findet auch nach fast 18 Monaten DSGVO, dass Twitter mindestens seriös, wenn nicht gar sehr seriös ist. Und das, obwohl US-Präsident Donald Trump im laufenden Jahr bereits fast 5.100 Tweets der mehr oder minder amüsanten Art abgesetzt hat.

Weit hinter dem Kurznachrichtendienst rangieren die beiden Schwestern der Facebook-Familie. „Instagram“ und „seriös“ passt nur für 13 Prozent der Befragten zusammen. Und was Facebook angeht, denken nur 7 Prozent, dass man das weltweit größte soziale Netzwerk in einem Atemzug mit Seriosität nennen kann.

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Dieselbe Reihen- und Rangfolge innerhalb der Social Plattformen findet sich auch, wenn es um die Vertrauenswürdigkeit der einzelnen Formate geht. Auch hier steht XING mit 90 Prozent ganz oben auf dem Vertrauens-Treppchen. Immerhin noch jeder achte Befragte vertraut hingegen LinkedIn sehr und der Vertrauenspegel für Twitter liegt mit 64 Prozent doch weit über dem von Instagram. Die Foto-Sharing-Plattform ist nur für knapp die Hälfte der Nutzer (sehr) vertrauenswürdig. Facebook schließlich muss sich auch in diesem Ranking mit nur 37 Prozent der roten Laterne annehmen.

Social-Media-Selbstinszenierung mit Höhen und Tiefen

Nach zahlreichen Skandalen um große und enorme Datenlecks, die vor allem Facebook betrafen, würde mancher erwarten, dass User mittlerweile sparsamer mit der Preisgabe personenbezogener Daten umgehen. Das tun sie laut der Burda-Studie aber nur auf Facebook und auch nur ein kleines bisschen. Denn im Vergleich zu 2014, wo noch ein Viertel aller Befragten angaben, dort eine umfangreiche Selbstdarstellung zu zelebrieren, waren es 2018 nur ein Prozent weniger.

Gewinner der Social-Media-Selbstinszenierung sind der Umfrage zufolge wieder einmal die Karriere-Netzwerke XING und LinkedIn – mit jeweils starker Zunahme in Sachen Datenfreigiebigkeit. Auf XING nämlich ließen 2018 ganze 44 Prozent ihre virtuellen Hüllen fallen, während es 2014 nur 9 Prozent waren. Ähnliches gilt für LinkedIn. Zählte man 2014 nur 4 Prozent an Nutzern, die sich dort sehr umfangreich in Wort, Bild und Links darstellten, waren es 2018 bereits 40 Prozent.

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Die leeren Lehren aus der DSGVO

Plattformübergreifend, so eine weitere Erkenntnis der Burda-Erhebung, scheinen die Datenleaks aus der jüngeren Vergangenheit und die auch deshalb so schnell in Kraft getretene DSGVO mehr oder minder spurlos an den Usern der Social Media vorbeigegangen zu sein. Denn über alle abgefragten sozialen Netzwerke hinweg verhalten sich im Schnitt 72 Prozent der Nutzer von ihnen so, als habe es niemals irgendeinen Datenskandal gegeben.

Vielmehr geben die User noch mehr Informationen preis als vor Einführung der DSGVO. Bei LinkedIn sind dies 14 Prozent, während 69 Prozent ihre Datenspendierhose ebenso weit offen haben wie vor Mai 2018. Immerhin 17 Prozent teilen mittlerweile weniger persönliche Informationen auf LinkedIn.

Bei XING verschieben sich diese Verhältnisse etwas. So sind es hier nur 10 Prozent, die seit Inkrafttreten der DSGVO mehr Informationen teilen. Immerhin aber 73 Prozent zeigen sich indifferent, was den Einfluss der EU-weiten Datenschutzgrundverordnung auf das Teilen ihrer persönlichen Informationen über das Berufsnetzwerk angeht. Und ganze 18 Prozent gehen seither sparsamer mit ihren Daten um.

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Bei Facebook-Nutzern schließlich hat die DSGVO mitunter tiefere Spuren hinterlassen als bei XING oder LinkedIn. Das gilt zumindest für den Anteil der Nutzer, die seither mehr Informationen teilen wie auch für diejenigen, die seit Ende Mai 2018 weniger von sich auf Facebook preisgeben. Denn mit 6 Prozent sind es verglichen zu LinkedIn immerhin 8 Prozent weniger, die mehr von sich auf Facebook preisgeben und 4 Prozent weniger als bei XING. Und auch diejenigen, die ihre personenbezogenen Informationen seit Einführung der DSGVO sparsamer über das weltweit größte soziale Netzwerk teilen, liegen mit 20 Prozent leicht über den Usern der beiden Business-Plattformen. Andererseits erreicht der Anteil derjenigen, die ihr Verhalten seit Inkrafttreten der DSGVO nicht geändert haben, mit 74 Prozent den höchsten Stand aller drei abgefragten Netzwerke.

Trotz oder wegen DSGVO?

Über alle drei Plattformen hinweg ist es im Schnitt also jeder siebte Nutzer, der aktuell mit seinen personenbezogenen Daten genauso umgeht wie vor Einführung der DSGVO. Stellt sich die Frage nach dem Warum? Natürlich könnte man hier argumentieren, dass die User auch bereits vor Inkrafttreten der DSGVO sparsam beim Preisgeben ihrer Daten waren und sie daher jetzt keinen Anlass zu einer grundlegenden Änderung ihres Verhaltens sehen.

Für XING und LinkedIn könnte zudem sprechen, dass die User ihre Daten insgesamt schon immer in geringerer Missbrauchsgefahr gesehen haben als bei Facebook. Oder aber auch, dass nun mehr Nutzer mehr berufliche Daten auf den Business-Netzwerken und dafür weniger private über Facebook teilen.

Doch gerade beim Datenskandal geschüttelten Facebook sind es andererseits verhältnismäßig die meisten User, die sich auch nach Einführung der Datenschutzreform genauso verhalten wie davor. Wer weiß, ob am Ende gerade die DSGVO Facebook-User dazu ermutigt hat, ihr Nutzerverhalten nicht anzupassen, weil sie ihre persönlichen Infos aufgrund der strengeren Datenschutzregeln womöglich in nun sichereren Händen glauben.

Autor: MB

(Quelle aller Abbildungen: Hubert Burda Media/Statista)

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