Blickwinkel

Social-Trend: Falling Star Challenge

Trends und Innovationen

Wer seinen Reichtum gerne skurril zur Schau stellt, findet in den eher bilderlastigen Social-Media-Formaten wie beispielsweise bei Instagram eine willkommene Bühne. Auf der Foto-Sharing-App ist in diesem Zusammenhang jüngst ein neuer Trend entstanden: Falling Stars, eine Art Planking für Vermögende. Dabei werden Szenen gestellt, in denen die Protagonisten am Boden liegen, als wären sie eben gerade gestolpert oder ausgerutscht. Dies jedoch nicht über gewöhnliche Hindernisse wie Türschwellen oder Bananenschalen. Nein, die Teilnehmer der Falling-Stars-Challenge fallen aus Privatjets, Yachten und Luxusautos.

Um sie herum, auf dem edlen Boden verstreut, finden sich luxuriöse Gegenstände und nur die ausgesuchtesten, erlesensten Brands und Produkte. Die Bewegung dieser dekadenten Tollpatsche hat ihren Ursprung in „Rich Kids of the Internet“ (RKOI), einer Seite, auf der die reichen Kinder reicher Eltern allen anderen zeigen, wie arm diese sind, und ihren Reichtum zumindest in Bildern eifrig auf Instagram teilen.

Reiche russische Kids aus der RKOI-Community waren in diesem Sommer dann wohl auch die ersten, die beschlossen, ihren Reichtum neu auf Instagram zu inszenieren und mit dem Hashtag #fallingstars auch ein wenig zu ironisieren, dass auch Superreiche auf die Schnauze fallen können, wenn auch natürlich Status konform.

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oops, i tripped #fallingstars 📷: @malikearnest

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Weibos Wealth-Flaunting-Kids haben Herausforderung angenommen

Es dauerte nicht lange, bis sich der Trend seinen südlichen Weg in Richtung China bahnte. Dort nämlich nahmen ebenso reiche Kids die Herausforderung an und trugen sie auf Weibo, Chinas Microblogging-Dienst Nummer 1, weiter. Da läuft sie nun unter dem ins Englisch übersetze Motto „Wealth Flaunting Challenge“” bzw. „Flaunt your Wealth Challenge“, also den Reichtum zur Schau stellende Herausforderung.

Mittlerweile ebnen sich die Bilderwitze auch ihren Weg in die unteren und weniger privilegierten Schichten. Die weniger vermögenden User aber inszenieren ihre Stolperbilder natürlich anders, mit alltäglichen Gegenständen und Arbeitsutensilien. Grund genug für Chinas Kommunistische Partei, ihrerseits die Challenge anzunehmen und das Meme-Phänomen über die staatlichen Medien ideologisch auszuschlachten, indem diese wiederum auf Weibo ihre liebsten (und staatslinientreuen) Wealth-Flaunting-Bilder posten und kommentieren.

Chinas Führung setzt Falling Stars ideologisch ein

Der Unterton zielt dabei auf das Herausheben der Bescheidenheit und Kreativität der jungen Chinesinnen und Chinesen gegenüber der langweiligen Protzigkeit der Russinnen und Russen. Schließlich gebe es doch gerade bei den Falling Stars aus China vor allem Bilder, die den Schwerpunkt weniger auf das Zur-Schau-stellen von Pomp und Protz, sondern auf die Ironie hinter den Motiven richten. Denn gerade reiche Menschen haben doch größere Probleme und wichtigere Verantwortungen, als ihre sündhaft teuren Habseligkeiten vom Boden aufzulesen.

Und natürlich ist der neue virale Hit in den sozialen Netzwerken auch ein willkommener Anlass für Chinas Regierung, erzieherischen Kontakt zu den Kids in deren Sprache und Social Media aufzunehmen – nicht zuletzt auch dadurch, dass Staatsbedienstete sowie Arbeiter Bilder in entsprechenden Posen posten und die Kids dadurch lernen, womit Polizisten, die Feuerwehr, Beamte oder Hausmeister eigentlich so arbeiten. Ganz nebenbei: Schwerreiche Kids, die beim Inszenieren ihrer Falling-Stars-Motive den Verkehr aufhalten, werden zu „empfindlichen“ Geldstrafen (umgerechnet etwa 18,50 Euro) verdonnert.

Brands nutzen Falling Stars zum Product Placement

Aber auch Unternehmen wie der chinesische Smartphone-Hersteller Xaomi haben den Weckruf gehört und setzen ihre Produkte und Marken im Stile der Wealth-Flaunting-Challenge ein. Auf Resonanz werden sie bei mittlerweile einer Million Nachrichten und 2,3 Milliarden Views des Hashtags „Fallings Stars“ alleine auf Weibo ganz sicher stoßen. Zum Vergleich: Der Hashtag #fallingstars2018 auf Instagram zählt gerade einmal etwas mehr als 40.000 Beiträge.

Zudem wird auch die Zahl der Chinesinnen und Chinesen, die sich teure Marken und Produkte leisten können, immer größer. 2022, so Schätzungen, wird es 2,7 Millionen Menschen im Reich der Mitte geben, die Millionäre sind. Bei dieser Nachricht ist zu erwarten, dass es sich bald noch mehr Chinesinnen und Chinesen erlauben können, sich als Falling Stars der dekadenten Sorte zu inszenieren, selbstverständlich im Sinne des Gemeinwohls.

Autor: MB

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