Blickwinkel

Tech-Riesen vor Trennungstrauma?

Trends und Innovationen

Kaum hat die US-Senatorin Elizabeth Warren angekündigt, dass sie bei der US-Präsidentschaftswahl 2020 für die Demokraten und gegen Donald Trump ins Rennen gehen will, sieht sie sich schon einer illustren Riege von Widersachern gegenüber. Neben dem aktuellen Amtsinhaber stellen sich wohl bald auch die Tech-Giganten Amazon, Google und Facebook gegen Warren, die den US-Bundesstaat Massachusetts im Senat vertritt.

Ihr Plan klingt so radikal wie auch einfach und für manche US-Amerikaner fast schon sozialistisch (bzw. stark nach EU-Kommission):

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(Quelle: Elizabeth Warren/Medium)

Im Detail geht es der Senatorin darum, die Marktmacht der Tech-Riesen zu brechen, denn durch deren Vorherrschaft würden GAFA (Google, Apple, Facebook und Amazon) nicht nur zu viel Einfluss auf die Wirtschaft, die Gesellschaft und die Demokratie haben, sondern auch den Wettbewerb plattwalzen und nach ihren Vorstellungen und Bedürfnissen gestalten. Sie würden sich der Daten der User bedienen, um daraus Profit zu schlagen und um sich unlautere Wettbewerbsvorteile gegenüber vor allem kleineren Mitbewerbern zu sichern. All das schließlich führe dazu, dass Innovationen quasi im Keim erstickt würden, wenn sie eben nicht aus einem der GAFA-Häuser stammten.

Killer Acquisitions und Platform Utilities

Elizabeth Warren führt zwei Gründe an, die ihrer Meinung dazu geführt haben, dass an Amazon, Apple, Google und Facebook praktisch kein Weg mehr vorbeiführt:

  1. GAFA verschlingen ihre Konkurrenz: Die auch in Europa kontrovers diskutierte Übernahmen von WhatsApp und Instagram durch Facebook, die von Diapers durch Amazon oder auch der Kauf von Waze und DoubleClick durch Google sind für Warren die besten Beispiel dafür, wie die Großen die Kleinen mit riesigen Geldmengen vom Markt verdrängen. So sank die Zahl der US-Tech-Startups in den letzten Jahren auf ein 13-Jahres-Tief. Experten zufolge liegt dies auch daran, dass die großen Tech-Firmen Tech-Startups mit vielversprechenden Technologien aufkaufen, bevor diese überhaupt durchstarten können. Stichwort: Killer Acquisitions.
  2. Plattform und Player in Personalunion: Die Silicon-Valley-Giganten bieten nicht nur Plattformen an, sondern beteiligen sich dort selbst als Akteure mit entsprechendem Übergewicht. Das schafft Interessenskonflikte und ein Ungleichgewicht zu Ungunsten der kleineren Unternehmen im Speziellen und des Wettbewerbs und der Innovation im Allgemeinen.

Tech-Giganten sollen zu „Platform Utilities“ werden

Um die Balance zwischen Big Playern und kleinen Innovatoren künftig wieder herzustellen, schlägt die Senatorin vor, bestehende Tech-Plattformen künftig (und juristisch) als „Platform Utilities“ zu behandeln, also als Plattform-Versorgungsbetriebe ohne die bisherige monopolähnliche Macht. Die Idee dahinter ist eine de-facto-Zerschlagung all jener Tech-Giganten, die mehr als 25 Milliarden US-Dollar pro Jahr umsetzen, eine öffentliche Plattform anbieten und gleichzeitig Unternehmen besitzen oder kaufen, die dann auf diesen (ihren eigenen) Plattformen mitmischen und somit die Regeln und den Wettbewerb diktieren.

Auch soll es „Platform Utilities“ wie Amazon, Facebook, Google und Co. künftig untersagt sein, die Daten der Nutzer mit Dritten zu teilen bzw. damit zu handeln. Schließlich müssten sich GAFA auch zu einer Art Kodex verpflichten, der sie an einen standardisierten fairen, vernünftigen und diskriminierungsfreien Umgang mit den User bindet. Kleinere Plattformbetreiber mit einem jährlichen Umsatz zwischen 90 Millionen und 25 Milliarden US-Dollar müssten sich diesen Standards ebenso beugen, würden aber nicht als „Platform Utilities“ behandelt.

Nur Wahlkampfgetöse?

In einem gefühlt immer schneller wachsenden Feld an Trump-Herausforderinnen und -herausforderern seitens der US-Demokraten ist es selbstverständlich, dass sich auch die ehemalige Jura-Professorin Elizabeth Warren positionieren und von den anderen abheben muss. Mit ihrer Forderung nach einer Zerschlagung von GAFA steht sie tatsächlich ziemlich alleine da. Auch wenn andere Bewerber wie Bernie Sanders und Amy Klobuchar sich bereits für eine stärkere kartellrechtliche Regulierung der Tech-Riesen ausgesprochen hatten, ist bisher niemand so weit ins Detail des Monopolaufbrechens gegangen wie Elizabeth Warren.

Sie nimmt dabei die Sorgen vieler Amerikaner um die wachsende Macht und den starken Einfluss auf das tägliche Leben seitens GAFA auf und versucht, diesen Bedenken ihre Stimme zu geben. Und die Befürchtungen, dass die Tech-Konzerne mehr und mehr den Markt beherrschen, lassen sich in konkrete Zahlen gießen: Amazon kontrolliert fast die Hälfte des amerikanischen E-Commerce; über 70 Prozent des Internetverkehrs geht über Seiten von Google oder Facebook.

Instagram-Gründer Kevin Systrom warnt vor Aktionismus

Bei den starken politischen Anti-Tech-Giganten-Stimmen und Strömungen fehlen aber auch Fürsprecher nicht. Mit Instagram-Co-Gründer Kevin Systrom äußerte sich nun einer ihrer prominentesten Vertreter – und zwar auf einem ebenso prominenten Event, der South by Southwest Conference, wo sich Tech-Größen auf den Podien die Mikrofone in die Hand drücken.

Systrom betonte zwar, dass es nicht zwingend falsch sei, entstandene Monopole aufzubrechen, andererseits aber sei es per se kein Verbrechen, als Unternehmen groß oder eben mächtig zu sein. Zudem, so Systrom, sei es etwas anderes, wenn Amazon auf seiner eigenen Plattform Amazon-Produkte verkauft oder Apple sich das Recht nimmt, dass alle für iOS entwickelten Apps ausschließlich in seinem App Store verfügbar sind, als wenn eben Facebook Instagram übernimmt. Er warnte davor, dass für ihn noch sehr unspezifische Forderungen wie jene von Elizabeth Warren dazu führen könnten, dass die nur teilweise berechtigte – teils aber auch sehr diffuse – Anti-Tech-Stimmung, die seiner Meinung nach in letzter Zeit zehnmal stärker geworden ist, noch weiteren Antrieb erhalten könnte. Es sei also eher an der Zeit, spezifische Probleme, die von den Tech-Riesen ausgehen, mit ebenso spezifischen Lösungen anzugehen. Die Holzhammer-Methode, bei der man alles zerschlägt und hofft, damit auch alle Probleme beseitigt zu haben, taugt für Systrom eher nicht dazu.

Autor: MB

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