Blickwinkel

Trump Singlebörse: Make America date again

Trends und Innovationen

Endlich mal ein Werbeversprechen, dass eingehalten wurde! „Offen für jeden“ sollte die gerade gelaunchte, konservative Dating-App „Donald Daters“ sein. Ein Anspruch, den die Singlebörse für Trump-Anhänger gleich am ersten Tag sprichwörtlich bewahrheitete: Ein Datenleck offenbarte diverse private Daten von 1.600 liebeshungrigen Trump-Unterstützern.

Besser als jede Satire

Der Spott auf Twitter und Co. ließ dann nicht lange auf sich warten. Auch vermehrten sich die Zweifel, ob die App überhaupt echt sei und nicht ein origineller Prank auf Kosten einsamer Republikaner. Denn die vermeintliche App-Gründerin Emily Moreno, ehemalige Assistentin des republikanischen Senators Marco Rubio, reagierte anfangs nicht auf Medienanfragen. Fast zu gut um wahr zu sein war ja auch der Claim der App: „Make America date again!“ Verfügen Republikaner überhaupt über so guten Humor?

Alles offen für alle

Offenbar ja, denn irgendwann kam doch noch ein offizielles Statement von Moreno, in welchem sie sich für das Datenleck entschuldigte und versprach, dass es umgehend gefixed würde. Die Daten der Donald-Liebenden seien dann und zukünftig sicher. Dieses Versprechen wurde allerdings auch schon zum App-Start auf der dazugehörigen Webseite verkündet: „All your personal information is kept private. We encourage safe online dating“. Dass es damit nicht allzu weit her war, konnte ein französischer Sicherheitsexperte beweisen, indem er mühelos an diverse unverschlüsselte Datensätze sämtlicher Mitglieder kam, mit denen er jedes Profil hätte kapern können. Neben Nutzernamen und Profilbildern waren auch Privatnachrichten und Zugangs-Tokens der Dater in einer öffentlichen Datenbank abgelegt, die Teil der App war. Diese leakte der Experte dann dem amerikanischen Portal TechCrunch, welches neben seiner Berichterstattung auch die Betreiber informierte. Diese nahmen die Daten daraufhin sofort vom Netz. Mittlerweile sind sie wieder online, nur der interne Chat ist noch offline.

Diskriminierte Republikaner

So müssen die konservativen einsamen Herzen momentan auf andere Kommunikationswege ausweichen. Aber immerhin bekommen sie täglich 25 mögliche Matches vorgeschlagen, die Bestandteil der kostenlosen Version sind. Mehr potentiell Paarungswillige pro Tag gibt’s dann nur gegen Aufpreis. Funktionieren tut die App im Prinzip wie Tinder, hier waren die Macher also nicht ganz so originell wie bei ihrem Claim. Aber neuartige Dating-Funktionen waren auch gar nicht ihr Anliegen, sondern endlich die Diskriminierung republikanischer Singles zu beenden. So klagte Gründerin Emily Moreno via Fox News über intolerante Demokraten in Liebesdingen: „For many young Trump supporters, liberal intolerance has made meeting and dating nearly impossible. Support for the president has become a deal breaker instead of an icebreaker. That's why we created a new platform for Trump supporters to meet people without being afraid of talking politics.“ Also wäre „Make Republicans date again“ ein noch viel treffenderer Claim.

Gleich und gleich gesellt sich gern

Eine Dating-Plattform, die sich an den politischen Ansichten der Partner orientiert, scheint also durchaus nicht nur für junge Trump-Unterstützer in liberalen Metropolen wie New York oder Washington D.C. interessant zu sein. Angeblich stellen unterschiedliche politische Positionen für über 70 Prozent der Amerikaner ein absolutes No-Go für eine Partnerschaft dar. Eine solche Inkompatibilität konnten bereits 2002 Wissenschaftlicher der University of London belegen: „Wenn zwei Menschen unterschiedliche Ansichten über Politik oder Pornographie mit in eine Ehe bringen, ist die Wahrscheinlichkeit, dass diese mit einer Scheidung endet, acht Mal größer als bei Paaren, bei denen Mann und Frau die gleiche Partei wählen und die gleiche Auffassung über Sexmagazine mitbringen.“ Lustig auch die hier herangezogene inhaltliche Nähe von Politik und Pornografie.

Politische Spaltung quer durch alle Betten

Auch die Linken haben sich längst der Verknüpfung von Politik und Liebe angenommen und vor kurzem eine Anti-Trump-Dating-Seite namens „NeverTrump.Dating“ gegründet. Ihr Motto: „Escape Trumpism With An Enlightened Lover.“ Erstaunlicherweise ähnelt das Promo-Pärchen der Donald Daters auf frappierende Weise dem der Anti-Trump-Dater. Doch Erleuchtung hin oder her: Im Land der unbegrenzten Möglichkeiten scheint definitiv Bedarf an politisch positionierten Singlebörsen zu herrschen. Offensichtlich ist Amerika ein tief gespaltenes Land und diese politische Spaltung geht quer durch alle Betten.

Autor: KS

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