Blickwinkel

Trumps Blockade gegen Huawei

Trends und Innovationen

Mit Donald Trump ist nicht zu Spaßen – wen der US-Präsident einmal auf dem Kieker hat, der muss mit allerlei erfinderischen Bestrafungen rechnen. So wie der chinesische Technologiekonzern Huawei. Um dessen US-Geschäfte zu kontrollieren, ließ Trump sogar einen Nationalen Notstand in der Telekommunikation ausrufen. So konnte die US-Regierung den der Spionage bezichtigte Konzern sowie zahlreiche Tochtergesellschaften auf eine schwarze Liste setzten.

Schluss mit amerikanischer Technologie

So verhängte das US-Handelsministerium einen Lieferstopp für aktuelle Hardware und schnitt den zweitgrößten Smartphone-Anbieter der Welt darüber hinaus von der Versorgung mit Elektronik-Bauteilen ab. Die amerikanischen Chiphersteller Qualcomm, Intel, Xilinx und Broadcom dürfen Huawei bis auf weiteres nicht mehr beliefern. Auch der deutsche Chiphersteller Infineon schickt dem chinesischen Mobilfunkanbieter vorerst keine in den USA hergestellten Produkte mehr. Zwar produziert Huawei auch eigene Prozessoren und Modems für einige seiner Handy-Modelle, aber für viele Geräte bezieht er Chips amerikanischer Hersteller. Für einen Teil der Regelung wurde dann kurze Zeit später ein Aufschub von 90 Tagen gewährt – um die Versorgung bestehender Smartphone-Nutzer sowie den Betrieb von Mobilfunk-Netzwerken mit Huawei-Technik sicher zu stellen.

Auch Google darf nicht mehr liefern

Für die Verwendung von US-Technologie in neuen Produkten gilt die Lockerung nicht. Darunter fällt auch Software, wie das Betriebssystem Android. So stellte auch Google auf Druck der US-Regierung seine Geschäftsbeziehungen zu Huawei ein. Diese Sanktion schneidet den chinesischen Smartphone-Produzenten quasi vom amerikanischen und europäischen Markt ab, da Huawei künftige Smartphone-Modelle nicht mehr mit den in Android vorinstallierten Google-Diensten GMail, Google Maps oder der App-Plattform Google Play Store verkaufen darf. Dies gilt allerdings nicht für Geräte, die bereits verkauft oder an Händler geliefert wurden. Für diese Geräte muss Google funktionierende Dienste und Apps sowie Sicherheits-Updates garantieren.

Spionage-Vorwürfe ohne Beweise

Hintergrund der Sanktionen ist der Verdacht, dass der chinesische Konzern seine unternehmerische Tätigkeit zur Spionage für China nutzt. Handfeste Beweise dafür wurden bis dato aber nicht vorgelegt. Bereits im Dezember vergangenen Jahres wurde die Finanzchefin von Huawei auf Betreiben der USA bei einer Zwischenlandung in Kanada verhaftet. Anstelle einer Auslieferung in die USA wurde die Managerin – und Tochter des Firmengründers Ren Zhengfei – kurz darauf wieder freigelassen. Bemerkenswerterweise hatte die 46-Jährige seinerzeit mit insgesamt drei Apple-Devices mehr Apple- als Huawei-Produkte bei sich.

Und wie steht Deutschland zu den Vorwürfen?

Gerade kam heraus, dass die Deutsche Telekom ihre Mitarbeiter in einem internen Schreiben angewiesen hat, keine Huawei-Smartphones mehr als Diensthandys zu bestellen. Ein generelles Kaufverbot seitens der Telekom gibt es aber nicht und so verkauft Europas größtes Telekommunikationsunternehmen auch weiter munter Huawei-Smartphones an seine Kunden.

Auch seitens der Bundesregierung gibt es keine konkreten Erwägungen Huawei, der auch ein führender Ausrüster von Mobilfunknetzen ist, von der Lizenz-Vergabe für den neuen Mobilfunk-Standard 5G auszuschließen. Obwohl die USA darauf drängen und auch deutsche Sicherheitsbehörden Bedenken gegen den dortigen Einsatz von Huawei-Technik geäußert haben. Huawei nimmt zwar nicht selbst als Bieter an der Auktion teil, wäre aber als Zulieferer für technische Ausrüstung indirekt beteiligt. Der Wirtschaftskrimi bleibt also spannend.

Autor: KS

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