Blickwinkel

Uber schwingt auf E-Pedalen nach Deutschland

Trends und Innovationen

Der Fahrdienstvermittler Uber und Deutschland – das war nie eine wirkliche Liebesbeziehung. Nun aber stehen die Zeichen wieder auf Annäherung. Nachdem Uber vor gut drei Jahren mehr oder minder aus Düsseldorf verjagt wurde, nimmt es jetzt einen neuen Anlauf in NRWs Hauptstadt. Diesmal jedoch setzt das Unternehmen ausschließlich auf professionelle Fahrer, so wie es das bereits in München und Berlin tut. Neben dem klassischem Uber Taxi startet mit Uber X ein Format in Düsseldorf, bei dem Kunden einen Mietwagen samt Chauffeur per App anfordern können. Auch neu ist Uber Green. Hier kann man ein E-Auto samt Profi-Fahrer bestellen.

Viel grüner und zudem interessanter jedoch ist ein weiterer Uber-Vorstoß. Und der kommt nicht auf vier Rädern, sondern auf zwei Pedalen. Nach der Übernahme des US-Leihfahrradanbieters Jump im April will Uber nun auch in Deutschland mit dem elektrischen Drahtesel punkten. So soll noch in diesem Jahr das Geschäft mit dem Verleih von E-Bikes in Berlin getestet werden – quasi als Pilotprojekt für weitere europäische Städte.

Uber will „multimodale Mobilitätsplattform“ werden

Dieser Vorstoß ist Teil von Ubers neuer Strategie. CEO Dara Khosrowshah zufolge hat Uber das Potential, eine Plattform für jede Form der Mobilität zu werden, anstelle einer App, die vorgibt eine Plattform zu sein, am Ende aber nur Fahrerdienste vermittelt.

Zur Vision einer „multimodalen Mobilitätsplattform“ passen auch zwei weitere aktuelle Uber-Meldungen. Am 3. Oktober startete das US-Unternehmen seinen E-Roller-Verleih-Service in Santa Monica – kurz nachdem Erzrivale Lyft einen ähnlichen Service dort und davor in Denver eingeführt hatte. Zudem gab es erste Gespräche zur Übernahme des britischen Essenslieferdienstes Deliveroo.

Auch wenn es mit Uber Eats bereits ein ähnliches Konzept in den USA sowie auch in Amsterdam, Paris und Wien gibt, würde die Eingliederung von Deliveroo in die Uber-Familie eine weitere Expansion wie auch große Konkurrenz für die in Deutschland dominierenden Food-Lieferanten Lieferheld, Lieferando und Foodora bedeuten. Andererseits hatte Deliveroo noch im Sommer seinen Dienst in zehn deutschen Städten eingestellt – unter anderem auch in Düsseldorf, um sich auf Städte wie Berlin, München, Köln, Hamburg und Frankfurt zu konzentrieren, wo eine Expansion der Kooperationen mit Restaurants erfolgversprechender scheint.

„Amazonisierung“ der Mobilität

Am Ende, so die Hoffnung oder auch Furcht, würden Kunden über die Uber-App in allen großen Städten der Welt alles aus einer Hand bzw. über eine Anwendung bestellen können – Taxis, E-Autos, E-Bikes und E-Scooter ebenso wie Essen. Auch eine Verbindung bzw. Verquickung und Ergänzung des öffentlichen Nahverkehrs ist denkbar und in Nizza schon Realität. Dort nämlich erhalten ÖPNV-Kunden bereits vergünstigte Uber-Fahrten für die Strecke von der Haltestelle bis nach Hause.

Die „Amazonisierung“ von Uber – schließlich hatte Jeff Bezos ja mit Büchern begonnen, bevor er Amazon zu einem global agierenden Alleskönner-Imperium ausbaute – macht Angst und Hoffnung zugleich. Während sich der Wettbewerb, also Taxi-Unternehmen ebenso wie E-Bike-Verleiher, Limo-Services und Essenslieferdienste, in allen großen Städten dieser Welt auf einen baldigen Kampf um die Kunden einstellen, freuen sich diese womöglich darüber, in absehbarer Zeit nur noch die Uber-App benutzen zu müssen, um mobil zu sein und satt zu werden. Und da wird die Amazon-Analogie wieder deutlich. Denn aus dem Hause Jeff Bezos stammen mittlerweile viele den jeweiligen Markt beherrschende Produkte und Services: E-Book-Reader (passend zu den E-Books auf dem Amazon-Marktplatz), die Smart-Speaker Echo und Echo Dot, Streaming-Geräte und -Dienste.

Vielleicht wird man also in einigen Jahren von der „Uberisierung“ der Mobilität und des Verkehrs sprechen – und das wahrscheinlich mit vollem Mund.

Autor: MB

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