Blickwinkel

US Tech-Konzerne zwischen Vertrauen, Verbot und Verschwinden

Trends und Innovationen

Wie stehen die US-Amerikaner eigentlich zu „ihren“ Technologie-Riesen? Wie sehr vertrauen sie Google, Amazon, Apple, Microsoft oder auch den großen Social-Media-Playern YouTube, Facebook, Twitter und Instagram?

Ein umfassendes Stimmungsbild dazu liefert die Tech Survey 2020 des Tech-Portals und Mediennetzwerks The Verge. Zwischen vielen Grautönen und anderen Schattierungen zeigen die Ergebnisse, dass Amazon, Google und YouTube auf der einen Seite der Beliebtheits- und Vertrauensskala die breiteste Zustimmung innerhalb der US-Bevölkerung genießen. Facebook, Twitter aber auch Instagram kämpfen am anderen Ende der Rangliste mit herben Vertrauensverlusten. Und teilweise sogar um ihre Existenzberechtigung.

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Satte 91 Prozent respektive 90 Prozent der über 1.100 von The Verge befragten US-Amerikaner haben eine positive Meinung zum E-Commerce-Giganten Amazon, zum Suchmaschinen-Herrgott Google und zum größten Videoportal des Universums YouTube.

Instagram (72 Prozent) und seine Mutter Facebook (71 Prozent) hingegen finden sich ebenso wie der Kurznachrichtendienst Twitter (61 Prozent) am unteren Ende des positiven Meinungsspektrums.

Google ist gut für die Gesellschaft

Diese Aussage ergibt sich zumindest unterm Strich, wenn man sich die Ergebnisse der nächsten Frage ansieht. Wissen wollte The Verge nämlich, in welchem positiven oder negativen Maße die großen US-Tech-Unternehmen die Gesellschaft mit ihren Produkten und Services beeinflussen.

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Tatsächlich sind 72 Prozent der Befragten der Meinung, dass Google mit seinen Angeboten einen positiven Einfluss auf die Gemeinschaft hat. Nur 4 Prozent denken, dass der Effekt eher negativ ist. Ähnliches gilt für Amazon: Jeff Bezos‘ Baby überzeugt immerhin 70 Prozent der US-Amerikaner von seiner positiven Wirkung, während nur 5 Prozent vor allem das Negative am E-Commerce-Marktführer sehen. Microsoft steht mit 66 Prozent noch etwas positiver da als Apple (62 Prozent). Die Jungs aus Cupertino liegen damit gleichauf mit dem Streaming-Anbieter Netflix. Nur etwas mehr als die Hälfte der Befragten denkt, dass YouTubes Einfluss auf die Gesellschaft positiv sei, während das vom Instant-Messaging-Dienst Slack nur 45 Prozent glauben.

Bei Facebook schließlich ebenso wie bei Twitter und weniger ausgeprägt auch bei Instagram, sinken nicht nur die Zustimmungswerte in Sachen positive Effekte für die Gemeinschaft. Vielmehr steigt bei allen drei Social-Media-Plattformen auch der Grad der Polarisierung. Während sich nämlich bei eigentlich allen anderen Tech-Unternehmen der Negativ-Balken im einstelligen Prozent-Bereich bewegt, hat dieser bei den drei sozialen Netzwerken durchgehend zweistellige Werte – zu Ungunsten einer neutralen Bewertung.

Persönliche Informationen am besten bei Microsoft aufgehoben

Genau dreiviertel der Befragten gaben The Verge zu Protokoll, dass sie ihre persönlichen Daten am besten bei Microsoft aufgehoben sehen. Damit erntet Bill Gates‘ Softwareschmiede die höchste Zustimmung unter allen US-Tech-Riesen. Nur zwei respektive drei Prozent weniger glauben, dass Informationen über sie am besten bei Amazon und Netflix aufgehoben sind. Google hingegen rutscht in Sachen Vertrauen in verantwortungsvollen Umgang mit persönlichen Daten mit 69 Prozent ins obere Mittelfeld, gleichauf mit Apple und noch vor Slack (62 Prozent).

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Im unteren Bereich finden sich mit YouTube (58 Prozent), Twitter (43 Prozent) und Schlusslicht Facebook (41 Prozent) gleich wieder drei Social Plattformen, denen die US-Bürger eher bedingt einen vertrauensvollen Umgang mit ihren persönlichen Daten zutrauen.

Zerschlagen und regulieren wegen zu viel Macht?

Macht passt irgendwie zu Mega-Unternehmen. Vielleicht sogar zu gut, denn fast dreiviertel der US-Amerikaner denken, dass vor allem Facebook zu viel Macht in sich und seinen Deals mit Daten vereint. Zweidrittel finden es (folgerichtig) nicht in Ordnung, dass Facebook mit Instagram und WhatsApp gleich zwei fast ebenso mächtige Töchter „adoptiert“ hat.

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Etwas weniger skeptisch sind die Befragten, wenn es um die Hochzeit von Google und YouTube geht. Nur etwas mehr als die Hälfte ist der Auffassung, dass hier eine Scheidung angebracht wäre. Amazon schließlich kann sich angesichts des Volkswillens nach mehr Transparenz fast schon entspannt zurücklehnen. Denn nur 46 Prozent denken, dass der weltgrößte E-Commerce-Player darlegen sollte, welche Produkte, die über Amazon verkauft werden, gleichzeitig Amazon gehören.

Doch jenseits der Forderungen nach weniger Macht durch mehr Regulierung, Transparenz und forcierte Scheidungen komplexer Vernunftsehen, wissen eigentlich die wenigstens Bescheid über die Verbindungen, die große Tech-Unternehmen untereinander eingegangen sind.

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Mit 47 Prozent ist beispielsweise weniger als der Hälfte der Befragten bewusst, dass YouTube zu Google gehört. Über die Liaison zwischen Facebook und Instagram wissen nur 38 Prozent Bescheid und von der zwischen Zuckerberg und WhatsApp sogar nur gut ein Drittel. Noch viel weniger, nämlich gerade einmal 12 Prozent, haben auf dem Radar, dass Twitch und Amazon hier und da gemeinsame Sachen machen.

Twitter ist weg und keinen interessiert es

Stellen wir uns passend zum Ende des Artikels einmal vor, dass bestimmte Tech-Riesen nicht nur zu Zwergen schrumpfen, sondern komplett aus unserem digitalen Orbit verschwinden würden. Wem würden wohl die bittersten Tränen nachgeweint und wer würde kaum vermisst werden?

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85 Prozent der US-Amerikaner wären enttäuscht, wenn sie morgen nicht mehr googlen könnten und 81 Prozent würde es hart treffen, nichts mehr über Amazon bestellen oder dort nach Produkten recherchieren zu können. Für immerhin etwas mehr als Dreiviertel der Umfrageteilnehmer käme das Verschwinden von YouTube einem Schlag in die Magengrube gleich. Fast ebenso viele würden Microsoft vermissen.

Am unteren Ende der Miss-You-Skala finden sich, wen wundert es mittlerweile, wieder einmal Facebook und Familiy, aka Instagram. Ihr Verschwinden würde immerhin aber noch mehr als die Hälfte bzw. 43 Prozent zu Krokodiltränen rühren. Etwas weniger Nutzer wären enttäuscht, wenn sich Slack von der Bildschirmfläche verabschieden würde. Nur ein Drittel schließlich hält Twitter für unentbehrlich, was im Umkehrschluss bedeutet, dass der Kurznachrichtendienst die kleinste Lücke im Social-Media-Kosmos hinterlassen würde. Und den größten Teil dieser Leere würde sicher US-Präsident Donald Trump spüren.

Autor: MB

(Quelle aller Abbildungen: The Verge tech survey 2020)

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