Blickwinkel

WALZ Part 4 - Flair wie im Western

Trends und Innovationen

Am 31. Januar verlassen wir den Hafen von Cadíz und fahren Richtung Rota – eine Stadt westlich von Cadíz gelegen. Der Wind wird flaut langsam ab und als wir den Ort am Meer erreichen scheint endlich wieder die Sonne. Das Wetter lädt uns ein am Strand entlang zu wandern. Es gibt zahlreiche Holzwege, die direkt zum Strand führen und wir können Lou im Wagen mitnehmen. Plötzlich sind die Kinder ganz aufgeregt – sie haben ein seltsames Tier am Strand entdeckt: Eine Art Riesenraupe mit schwarzen Punkten liegt vor uns und zieht sich ganz klein zusammen, wenn das Wasser sie umspült. Außer zwei spanischen Fischern, die auf die Flut warten, begegnen wir niemandem mehr um diese Jahreszeit am Strand.

Einen Tag später fahren wir weiter an der Küste entlang und durchqueren ein Stück Spanien, das sich auf den Tourismus vorbereitet. Überall wird etwas gebaut oder umgebaut. Die Häuser stehen zum größten Teil leer. Nur die Wohnblöcke in den Arbeitervierteln sind belebt. Wieder entdecken wir viele leere Reklametafeln mit abgeblätterten Farbschichten, die verschiedene Zeiten visuell miteinander vereinen.

Unser nächstes Ziel: Sanlúcar de Barrameda

Ein schöner Küstenort westlich von Cadíz. Als wir unseren Parkplatz am Meer erreichen, sind wir glücklich, denn er liegt direkt an einem weitläufigen Strand und wir schauen auf das Meer. Dieses fließt an dieser Stelle als Fluss in den Ort auf der gegenüberliegenden Seite, an dem der große Nationalpark Doñana beginnt. Ein guter Ort, um Austern zu fischen. Die Kinder sammeln die zahlreichen Austernschalen, die am Strand liegen und wir überlegen, ob wir mit der Fähre übersetzen können. Aber die Kinder entscheiden sich lieber mit ihren Rollern die Stadt zu erkunden. Sanlúcar de Barrameda ist typisch spanisch – tolle Plätze, schöne Architektur und enge Gassen. Wir möchten zu der Ritterburg, die ganz oben auf einem Berg liegt. 

Als wir dort ankommen, müssen wir feststellen, dass diese leider geschlossen hat und erst abends wieder öffnet – wie so oft merken wir, dass wir uns noch immer nicht an die spanische Siesta angepasst haben. Etwas enttäuscht laufen wir mit den Kindern und ihren Rollern die steil abfallenden Straßen hinab. Dies ist immer etwas abenteuerlich, da in Spanien selbst in den engsten Gassen viele Fahrzeuge, vom Mofa bis zur Straßenkehrmaschine, unterwegs sind. Aber die Kinder haben sich schon lange daran gewöhnt und wir bleiben gelassen. Als wir am Strand ankommen fallen uns mehrere Eselskutschen auf. Zu dieser Jahreszeit fahren die Spanier mit ihnen zum Üben für die Touristen im Sommer am Strand entlang. Ein junges Pärchen fährt mit ihrem Einachser und einem Shetland Pony aus – sehr zur Freude von Tilda und Oskar, die das Pony streicheln dürfen. Auf dem Parkplatz am Meer stehen nun auch mehrere Autos. Immer wieder bemerken wir, dass die Spanier gern in ihren Fahrzeugen sitzen bleiben und von dort lesend oder musikhörend einen Tag „am Meer“ verbringen. In dieser für uns gewöhnlich warmen Zeit, finden wir dies seltsam, da wir uns meist noch bis abends draußen aufhalten und uns über die milden Temperaturen freuen.

Von Sanlúcar de Barrameda aus fahren wir durch den Nationalpark Doñana weiter an der Küste entlang. Das Wetter ist heute nicht sehr gut – kalt und regnerisch. Deshalb finden wir den ersten Stellplatz in einem kleinen, verlassenen Ort an der Küste nicht geeignet, da ein stürmischer Wind weht und wir am Meer ungeschützt sind. 

Flair wie im Western

Also fahren wir weiter ins Inland und befinden uns plötzlich in der Nähe des Ortes El Rocio, von dem wir bereits gelesen hatten. Hier soll es statt Autos ausschließlich Pferde geben. Obwohl es schon etwas spät ist, entscheiden wir uns den Ort anzuschauen – als Überraschung für Tilda. Als wir dort ankommen, sind wir erstaunt über das was sich uns bietet: Alle Straßen bestehen aus Sand. Außer ein paar Geländewagen gibt es tatsächlich nur Pferde, Zwergponys, Esel und Kutschen aller Art. Wir befürchten mit dem Camper stecken zu bleiben, da es den ganzen Tag geregnet hat und der Sand aufgeweicht ist. Wir sind überrascht wie groß El Rocio ist. Von einem Schwimmbad bis zu verschiedenen Läden und sogar einem Kino ist hier alles vorhanden. Wie man es aus Westernfilmen kennt, werden die Pferde vor den Häusern und Geschäften an Balken angebunden, Autos stehen vereinzelt dazwischen. Uns fällt eine Reisebusgruppe auf, die versucht ihre Rollkoffer durch den nassen Sand zu ziehen. Tilda rennt begeistert zu einer Gruppe Zwergponys, die sie streicheln darf. Wir übernachten auf einem Parkplatz außerhalb und es wird mit drei Grad in der Nacht sehr kalt.

Am nächsten Tag fahren wir an der Küste Richtung Huelva weiter und finden einen Parkplatz in Palos de la Frontera – ruhig gelegen in einem Park direkt an der Universität. Als wir am nächsten Morgen die Gegend erkunden, stellen wir fest, dass wir direkt in der Nähe des bekannten Klosters La Rabida geparkt haben, in dem Kolumbus die Idee für seine erste Entdeckungsfahrt nach Indien hatte. Der ganze Ort gilt als Wiege der Entdeckung Amerikas und wir besuchen mit den Kindern die Museen. Die Audio-Guides in dem Museum des Klosters la Rabida werden wie immer begeistert aufgenommen von Tilda und Oskar. Während Tilda jedes Mal beginnt mit der Audio-Guide-Stimme ein angeregtes Gespräch zu führen, geht Oskar immer streng jede Station ab und hört alles bis zum Ende an. So verbringen wir den ganzen Tag damit alles über Kolumbus und seine Reisen zu erfahren. Ein großes Museum am Hafen präsentiert sogar echte Nachbauten der Schiffe, mit denen Kolumbus seine Reisen unternahm und die Kinder sind tief beeindruckt.

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Der Botanische Garten, der die Pflanzen, die aus Amerika und Indien mitgebracht wurden, zeigt, hat leider schon geschlossen. Aber wir müssen den Kindern versprechen, ihn am nächsten Tag zu besuchen. In der Nacht wird es wieder sehr kalt und als wir morgens durch den Garten laufen, der menschenleer ist, sind es nur 4 Grad. Zudem regnet es. Da wir unsere Wintersachen schon länger im Unterboden des Wohnmobils verstaut haben, müssen wir alle mit Sandalen vorliebnehmen. Durchgefroren steigen wir wieder in den Camper und fahren weiter nach Huelva. Dort angekommen finden wir einen Parkplatz an der Strandpromenade, von dem aus wir die Stadt besichtigen. Eine etwas verlassene Parkanlage aus den 1990er Jahren ermöglicht uns einen tollen Blick über die Dächer der Stadt. Wir rollern durch die schöne spanische Altstadt und schauen uns im Museum für moderne Kunst eine Fotoausstellung an. Gezeigt werden Fotografien des Deutschen Harald Hauswald, der als Chronist der DDR-Endzeit bekannt wurde. Weit weg von unserer Heimat in Leipzig werden wir in Huelva mit Aufnahmen aus einer vergangenen Zeit konfrontiert. Es werden Erinnerungen und Erfahrungen der ehemaligen DDR wach.

Am nächsten Morgen Richtung Portugal

Wir möchten ein Stück an Portugals Küste entlangfahren, um uns den südlichsten Teil des Landes anzuschauen. Nach kurzer Fahrt überqueren wir den Rio Guadiana – die Grenze zu Portugal . Direkt an der Grenze gibt es einen großen Wohnmobilstellplatz am Hafen einer kleinen Stadt namens Villa Real de Santo Antonio. Wir sind überrascht wie anders hier alles aussieht, als noch kurz zuvor in Spanien. Die Stadt scheint vorrangig vom Tourismus zu leben und wir sehen viele Schilder, auf denen in deutscher und englischer Sprache Essen zu günstigen Preisen beworben wird. Eine Rentnergruppe sitzt in einem Café zum Sahnetortenessen und überall gibt es Läden, die Handtücher und Campingartikel anbieten. Alles in allem fühlen wir uns stark an den europäischen Ostblock erinnert. Als wir am nächsten Tag Richtung Faro weiterfahren, ändert sich dieses Bild kaum. Wir machen ein paar Aufnahmen von interessanter Streetart. Für uns ist es nun langsam an der Zeit, die Rückreise anzutreten und wir hoffen auf weitere spannende Orte und Städte, die wir in Spanien besuchen können. Am nächsten Tag führt unser Weg direkt nach Sevilla. Als wir nachmittags in der Stadt ankommen, ist es sonnig und warm. Wir beginnen mit der Stellplatzsuche, die wir bereits unterwegs mit unseren Wohnmobil-Apps gestartet haben. 

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Sevilla und skurrile Gesten

Der erste Platz in einem Arbeiterviertel erinnert an eine Mischung aus Park- und Schrottplatz und die Kinder entscheiden sich direkt dagegen, obwohl die Innenstadt nah gelegen ist. Auch die anderen innenstadtnahen Plätze überzeugen uns nicht. Zum Glück entdeckt Erik im Internet einen Platz 30 Minuten von Sevilla entfernt, in einem Sport-Boot Hafen. Als wir dort ankommen, sind wir alle froh: Der Platz ist sehr schön und es gibt Duschen, WLAN und Strom. Ein Bus fährt direkt von dort in 30 Minuten nach Sevilla. Als wir am nächsten Morgen die Stadt besichtigen, ist es sehr warm und windstill. Wir genießen das Wetter nach dem kalten Wind in Portugal sehr. Am Mittag erreichen wir den Plaza de Espana und stellen begeistert fest, dass wir hier viele Motive für eine unserer Fotoserien finden: Menschen mit Kamera. Wir fotografieren Menschen, die selbst gerade eine Aufnahme mit einer Kamera oder ihrem Handy machen – ohne zu zeigen, was sie abbilden. Uns interessieren die teils skurrilen Gesten und Haltungen, die dabei eingenommen werden. Der Fokus liegt auf dem Akt des Fotografierens, statt auf den Objekten, Orten oder Menschen, die aufgenommen werden.

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Auch für Tilda lohnt sich Sevilla sehr, da es überall Pferdekutschen gibt, die die Touristen durch die Stadt fahren. So verbringen wir einige Zeit damit die Pferde zu beobachten, die sich irgendwie in den Verkehr eingliedern und finden, dass dies erstaunlich gut funktioniert. Dennoch tun uns die Pferde auch leid, in dieser urbanen Umgebung. Als wir auf einen alten Wachturm hinaufsteigen, ist Oskar ganz interessiert an den Porträts von Kolumbus, die dort aufgehängt wurden. Schön zu sehen, dass die Erlebnisse aus Palos de la Frontera Oskar nachhaltig beeindrucken.

Wir beschließen uns nun noch die Stierkampfarena anzuschauen. Diese wurde zu einem Museum umgebaut und die Kinder bekommen wieder ihre heißbegehrten Audio-Guides, mit denen sie sich die Bilder und Stierköpfe anschauen, die dort ausgestellt sind. Die Kinder wundern sich, warum die Sieger-Stiere heute ausgestopft an den Wänden hängen, obwohl sie doch die Torreros besiegt haben… Nach einem ereignisreichen Tag in Sevilla fahren wir mit dem Bus wieder zum Stellplatz. Plötzlich steigen an einer Haltestelle circa 15 verkleidete Jugendliche ein – heute am 9. Februar wird Fasching gefeiert. Lou ist begeistert, als ein Mädchen im Einhornkostüm neben uns sitzt und untersucht das Kostüm. Tilda sitzt in der hintersten Reihe neben einem Panda und einer Flamenco Tänzerin, die sie bewundernd anschaut. Als wir aussteigen, muss der ganze Bus mithelfen, damit wir mit unseren drei Kindern und Lou`s Wagen heil herauskommen.

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Andalusien und die Tierwelt

Auf dem Rückweg besuchen wir Carthagena, eine Hafenstadt im Osten von Andalusien. Unser Stellplatz befindet sich neben der Universität auf einem Plateau mit Blick auf den Hafen – ein grandioser Ausblick auf einen der ältesten Naturhäfen Europas. Auch das Castillo ist nicht weit und die Kinder freuen sich, dass es einen Fahrstuhl gibt, der bis zur Burganlage fährt. Oben angekommen empfangen uns schrille Vogelschreie – mehrere Pfauen leben frei in der Burganlage. Die Tiere sind sehr zutraulich – ganz zur Freude von Tilda. WALZ3

Oskar hingegen flüchtet sich schnell mit seinem Audio-Guide in die Museumsräume und erfährt dort viel über die Karthager, dessen Hauptstadt lange Zeit Carthagena war, bis die Römer sie eroberten. Das römische Amphitheater ermöglicht uns gute Motive für unsere Serie „Menschen mit Kamera“ und auch die Streetart überzeugt uns in dieser Stadt. Später laufen wir im Hafen entlang und uns gefällt das Areal so gut, dass wir beschließen dort unser Familienporträt aufzunehmen. Nachts kommt ein stürmischer Wind auf und unser Wagen bewegt sich im Sturm – fast wie auf einem Schiff. Am nächsten Morgen sind wir gerade im Begriff zugeparkt zu werden. Die Studenten nutzen den Parkplatz unter der Woche und es sind nicht mehr viele Plätze frei. Wir versuchen unsere LAIKA durch die kreuz und quer parkenden Autos zu bugsieren und sind am Ende froh wieder auf der Straße zu sein.

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Weiter geht es bei bestem Wetter nach Murcia. Wir möchten zu einem Ort, der uns alle an Zuhause erinnert – IKEA. Denn dort befindet sich in Murcia der Stellplatz um die Stadt zu besichtigen.

Familie Weiser Part4

Familie Weiser

Wenn Du mehr zu den Kunstprojekten der Weiser Familie erfahren möchtest, findest Du auf der Website der Familie Weiser weitere Informationen.

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