Blickwinkel

Werbung via Voice Search

Trends und Innovationen

Wenn es nach Jeff Bezos geht, wird Amazons Alexa künftig im Kommunikationskontakt mit allem und jedem stehen. Sowohl Smartwatches, Kopfhörer, Fitnessarmbänder wie auch Smart Glasses, sollen sich demnach bald dank des geplanten Alexa Mobile Accessory Kit den mobilen Zugriff auf alle Alexa-Skills erhalten. Zudem sollen auch Backöfen und Mikrowellen bald mit dem Alexa Voice Service (AVS) zu steuern sein. Die Erweiterung des entsprechenden Skills kann bereits in den USA getestet werden. Ziel ist es, dass am Ende alles Alexa-fähig wird und das gesamte Smart Home durch die Sprachassistentin gesteuert werden kann.

Auch wenn das zumindest in Deutschland noch alles den Unterton einer Zukunftsmusik hat, steht fest, dass man bald auch in unseren Breitengraden auf das Bedienen entsprechender Geräte per Touch, Druck oder Wisch verzichten kann. Das wiederum führt zu der konsequenten Frage danach, warum wir jenes, was wir mit Sprache und Alexa sei Dank steuern können, nicht auch entsprechend suchen und kaufen sollten. Am besten bei Amazon oder bei denen, die auf Amazon werben.

Auf die Werbeplätze, Alexa, los

Wann wird Alexa uns - während wir unsere Lieblingsmusik von ihr suchen und abspielen lassen - auf ein neues Album hinweisen, das ihrer Meinung nach zu unserem Geschmack passt? Wann wird sie, wenn wir sie bitten, ein bestimmtes Kosmetikprodukt auf die Einkaufsliste zu setzen, uns fragen, ob es okay ist, wenn sie das Produkt eines bestimmten Herstellers wählt? Wie lange wird es noch dauern, bis sie uns - während wir laute Selbstgespräche führen oder uns in der Familie darüber unterhalten, was wir heute essen/kochen sollen - vorschlägt, einfach eine Pizza zu bestellen (mit den Zutaten, von denen sie aufgrund unserer Bestellhistorie ahnt, das wir sie mögen), und uns dazu noch die besten Lieferservice-Deals des Tages präsentiert? Wann also werden Audio-Werbeplätze auf dem Echo-Lausprecher Wirklichkeit und wann halten personalisierte Produktempfehlungen Einzug in Alexas Repertoire?

Der Schritt hin zu Voice Ads bzw. zum Voice Commerce ist schon längst getan, zumindest in den USA. Dort nämlich scheint es, dass Amazon Gespräche u.a. mit Procter & Gamble und Clorox geführt hat, um gemeinsam herauszufinden, wie Hersteller und Amazon in Sachen Audio-Werbung über die smarten Echo-Lautsprecher zusammenfinden können. Schließlich drängt aus Sicht der Vermarkter die Zeit, um sich jetzt einen Platz oder wenigstens eine Nische im Voice Commerce zu sichern. Dass die Uhr dafür laut tickt, untermauern Zahlen wie jene von Gartner. Das US-amerikanische Marktforschungsunternehmen hat nämlich vorausgesagt, dass bis zum Jahr 2020 die Suchanfragen per Stimme bei 30 Prozent liegen werden. 

Schrittweise in hörbare Sichtweite

Mit dem Amazon Echo Show und seinem 7-Zoll-Bildschirm hat Alexa - wenn auch noch ohne Avartar - ja bereits eine Art Gesicht bekommen. Je natürlicher ihre Künstliche Intelligenz wird und je mehr Alexa "versteht" oder gar antizipiert, was wir suchen und finden wollen, desto selbstverständlicher und unverzichtbarer werden ihre Präsenz und ihr Rat, den sie dann auch ganz schnell in die Tat umsetzen kann. Für Amazon wiederum ist die Vermarktung von Voice Ads über sein Echo-System eine ganz reale Cash Cow. Denn Händler, die jetzt schon viel Geld dafür bezahlen, um auf und über Amazon so gut und schnell wie möglich gefunden zu werden, werden kaum davor zurückschrecken, sich auch über die Sprachsteuerung potentieller Kunden finden zu lassen - auf dem Screen oder über Alexas säuselnde Empfehlung. Und der Markt für Amazon als sekundäre oder gar primäre Produktsuchmaschine wächst stetig. Schon heute wenden sich 55 Prozent der Konsumenten an Amazon oder ebay, wenn sie das von ihnen gesuchte Produkt im Online-Shop des Herstellers nicht finden.

In Anbetracht all dieser Gelegenheiten wird auch die Paranoia oder wenigstens Skepsis des einen oder anderen größer: Was wenn uns personalisierte Produktempfehlungen bald überall (hin) verfolgen? Wenn wir beispielsweise Wetterinformationen abrufen und uns dabei eine Auswahl der besten Schirme oder Sonnencremes eingeblendet wird? Oder wenn wir in der Küche stehen und die Frontkamera des Echo Shows sieht, wie wir uns abmühen, uns ein paar Kochtipps via Alexa gibt und uns ganz nebenbei fragt, ob sie uns vielleicht die Speisekarte der Pizzeria um die Ecke vorlesen soll? 

Skurrile Szenarien in Sachen Voice Commerce gibt es viele - und ebenso viele sind denkbar, wenn nicht gar konsequent. Die Verbindung von Sprachassistenz, Screen und die Erweiterung auf alle möglichen Smart Wearables, scheint in einer Welt, wo Mobilität dominiert, logisch. Oder anders gesagt: Die Vermählung all jener Aspekte ist das A und O für eine neue akustische Markenführung. 

Autor: MB

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