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Web Summit 2018: Warum disrupten sie sich selbst?

Trends und Innovationen

Kaum ist der erste Tag des Web Summit ist verdaut, fängt auch schon der zweite an.

Bevor wir in die Materie einsteigen, zunächst einmal zu den weniger positiven Aspekten des Festivals: Das Web Summit 2018 zählt gut 70.000 Besucher in Portugals Hauptstadt Lissabon, die rund 500.000 Einwohner beherbergt. Das Festival findet sogar genau an dem Punkt statt, an dem 1998 die Weltausstellung Expo ihre Tore öffnete.

Ich frage mich, was sich die Festivalleitung dabei gedacht hat. Zum Web Summit Festival fährt nur eine einzige U-Bahn. Andere öffentliche Verkehrsmittel fallen weg. Es gibt auch nur einen Eingang und gefühlt auch nur einen Mülleimer. In diesen einen Mülleimer kann man dann auch gerne die App schmeißen, denn die ist so zuverlässig wie ein Tinder-Date.

Und jetzt kommt das große Aber, denn die Vorträge sind echt gut. Sehr straff getaktet. Keiner dauert länger als 20 Minuten. Jeder hält sich daran und ein Redner übergibt nahtlos an den nächsten. Das ist beeindruckend.

Was haben wir mitgenommen?

Ein Highlight für uns war die AR-Brille Magic Leap, mit der der mich vielleicht einige letzte Woche haben rumrennen sehen. Diese wurde in einem Vortrag von der Marketing Leiterin des Unternehmens vorgestellt.

Worüber ich gleich am Anfang gestolpert bin: Die Dame war schon in vielen anderen Marketing-Bereichen tätig. Ihr Ziel ist es, das System zu disrupten. Sport, Arbeit, Schule, Entertainment: nichts soll mehr so sein wie es einmal war. Behaltet die Magic Leap kurz im Hinterkopf.

Digitale Sport-Transformation

Darüber hinaus auf dem Web Summit zu sehen: Sports Tech. Zurecht werden sich einige fragen, was zu Hölle Sport mit Digitalisierung zu tun hat. Die kurze Antwort: so einiges. Auf der Bühne präsentierte sich John Skipper von DAZN. Spannend bei ihm ist, dass er vorher der Präsident von ESPN war. Wenn man so will, wechselte er von der alten, analogen in die digitale Welt. Was hat ihn also dazu bewegt zu DAZN zu wechseln? Er sagt: „Noch einmal alles zu disrupten.“

Wenn ich solche Aussagen höre, frage ich mich, ob diese Person das bei ihrem ehemaligen Arbeitgeber versucht hat, damit gescheitert ist und dann dachte: „Okay, egal. Dann mache ich es halt mit den Neuen.“ Wir werden es wahrscheinlich nie erfahren. Aber spannend war, was er über Sport als Content sagte und welche Chancen eine Plattform wie DAZN für den Sport bietet. Sport-Content ist ein unglaublich wertvoller Content. Er passiert unmittelbar, genau in dem Moment. Er ist live. Er ist nicht gestellt oder inszeniert und man hat echte Fans. Aber: Heutzutage ist es gelernt, dass Sportübertragungen Werbepausen haben, eben nur um dort Werbung auszuspielen. Ein schrecklicher Zustand für den Sport, nicht wahr?

Und was macht DAZN? Einfach auf der Plattform zielgerichtet und nativ eingespielten werblichen Content einbauen. Genau das erwartet uns ab dem nächsten Jahr. Das können Sky, private und öffentlich-rechtliche Sender nicht bieten.

Weiter zum nächsten Vortrag. Der Clubchef von Manchester United auf der Bühne; ein brechend voller Saal. Es ging um die Wertigkeit des Clubs und die damit verbundene Leichtigkeit im Web ihren Content zu vermarkten. Die Zuhörer saßen aufmerksam auf ihren Stühlen und lauschten dem Vortrag.

Trendthema E-Sports – aber nicht für jeden

Und jetzt wird es witzig. Der darauffolgende Vortrag handelte vom Trendthema schlechthin: E-Sports. Und was passiert? Alle Zuhörer älteren Kalibers verlassen den Raum. Nur die Gruppe an Menschen, die weiß, welche Bedeutung E-Sports hat, bleibt im Raum. Japaner, Amerikaner und junge Start-ups aus Europa. Der Vortrag handelte überwiegend davon, ob E-Sports die Chance hat olympisch zu werden, was dem Sport natürlich noch einmal eine ganz andere Sichtbarkeit geben würde. Der ESL-Vertreter auf der Bühne erzählte, dass sie sogar Dopingtests bei ihren Spielern durchführt. Wer hätte so etwas geahnt?

Eine weitere Erkenntnis, die sicherlich nicht jedem bewusst sein dürfte, ist, dass E-Sportler aufgrund ihres hohen Leistungsdrucks oftmals bereits in jungen Jahren einen Burnout erleiden und teils schon mit 21 „in (Gamer-)Rente“ gehen.

Nach einem spannenden Paid-Ads-Panel war dann aber auch mal Ende im Gelände mit dem Gruppenkuscheln der 70.000 Besucher.

Euro Franzi

Unsere Herzblutbloggerin, Franziska Knoefel, schreibt bereits seit Jahren über die wichtigen Trends aus dem Digital- und Medienkosmos. Als Manager Digital Revolution ist sie unser Spezialist bei Weischer.Media, wenn es um die heißesten Technologien, News und den digitalen Wandel geht. Auf ihrem Blog erfahrt Ihr mehr zu dem, was Franzi bewegt.

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